Der Ausstieg aus dem Optimierungswahn

Mit großem Interesse haben wir uns den Scobel-Beitrag “Schöner, schneller, klüger” in der Mediathek von 3 Sat angeschaut.

Der Optimierungswahn und sein Ursprung

Diese Reportage beschäftigt sich mit dem Optimierungssprinzip in unserer Gesellschaft, welches sich zu Optimierungsdruck und letztendlich Optimierungswahn entwickelt. Gefangen im Hamsterrad laufen wir tagtäglich der Verbesserung hinterher.

In diesem Rahmen werden Beispiele des Optimierungswahns aus dem Leistungssport, von Schönheitsidealen, bei der Partnerwahl, der online Partnersuche oder dem Streben nach dem perfekten Leben dargestellt

So schlägt sich das Optimierungsprinzip ebenfalls in Beruf, Schule und Privatleben nieder. Beruflicher und sozialer Erfolg kann im weiteren Sinn als Kampf interpretiert werden. Erschreckender Weise ist laut Reportage der private “Verbrauch von Ritalin enorm angestiegen“.

Leistung sowie der daraus entstehende Wettbewerb und die Konkurrenz führen im Idealfall zu Bewunderung und gesellschaftlicher Anerkennung. Evolutionsbiologisch ist Konkurrenz und Kampf tief in uns verankert, da sich die stärksten, gesundesten und hübschesten Individuen vermehren dürften.
So feilen wir tagtäglich an unserer individuellen Optimierung. Das Streben nach kontinuierlicher Verbesserung ist also normal, sofern wir uns nicht selbst dadurch schaden und es übertreiben.

Ausstieg aus dem Optimierungswahn

Ab Minute 45 wird die Reportage für uns Downgrader richtig interessant:
Wie sieht ein optimaler Ausstieg aus dem Optimierungswahn aus ohne zu absolutem Durchschnitt zu werden?

Da die Antworten recht schnell durch diverse Protagonisten gegeben werden, habe ich die grundlegenden Aussagen einmal im Folgenden zusammengefasst.
(Ich bin ein wenig stolz, dass sie sich mit Jack’s und meinen Aussagen im Blog und im Buch decken. *räusper*)

  1. Grundsätzlich gilt: Die perfekte Lösung ist nicht immer unbedingt die individuell Beste.
    Du musst Dir selbst darüber klar sein, was für Dich sinnvoll ist und was Dich glücklich macht. Wer bist Du? Wozu lebst Du? Was sind Deine Prioritäten?
    So kannst Du Dich am besten optimieren, nämlich in Richtung Deines individuellen Glücks.
    Glück äußerst sich nach Aussagen im Rahmen der Reportage übrigens in einer gelungenen Lebensführung. Hier bei bedeutet “gelungen” jedoch erfolgreich im Sinne Deiner ganz persönlichen Maßstäbe. Kriterien für eine gelungene Lebensführung sind das Leben in einer Liebesbeziehung, intakte soziale Kontakte sowie  eine sinnvolle Beschäftigung sein. Letztere bezieht sich nicht umbedingt auf einen Job, sondern kann sich auf ein erfüllendes Hobby, ehrenamtliche Tätigkeit etc.  beziehen.
  2. Wer sich selbst vertraut und sich selbst wertschätzt, der braucht keine Bestätigung von anderen. Deshalb  ist derjenige auch weniger dem Druck von außen ausgeliefert und kann sich klarer abgrenzen.
    Wenn Du Dich nicht mehr optimieren “musst”, der Druck sozusagen abfällt, dann kannst Du wieder fühlen und entscheiden, wann etwas gut genug ist, wann Du von etwas genug hast oder Dir sogar zu viel wird – zu viel Stress, zu viele Verpflichtungen, zu viel Kram.
    Auf diese Weise bist Du in der Lage, Deinen eigenen Maßstab zu setzen. Du führst keinen Wettbewerb mit den anderen, das Wetteifern im Job, das “Wettrüsten” mit Schmuck, teuren Autos, der Kampf um das intelligenteste Kind, sind beendet, denn Du weißt jetzt, wofür Du lebst.
  3. Jetzt brauchst Du nur noch Mut. Mut, den ersten Schritt zu machen. Dich erst im Kleinen, dann im Großen und letztendlich im Ganzen abzugrenzen und DEIN Leben zu leben.

Das war und ist für uns Downgrade Deluxe. Ein langer Weg zu uns selbst und unserer persönlichen Zufriedenheit. Für uns perfekt, für andere… keine Ahnung ;-)

Führst Du auch ein “unperfektes Leben”?

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Tanja Heller

    Punkt 2 hab ich gestern genau in der Reihenfolge gefühlt und gedacht. Und ich sag dir: das war saugeil! Ich krümel lieber das Sofa voll mit Keksen. Schön, dass du wieder da bist, Emi.

    Antworten
  2. Emi Artikelautor

    Genau, das ist “saugeil”! Dann gibt es auch mehr “Tanja” auf dieser Welt. Ich mag Ecken und Kanten ja ehrlich gesagt sehr gern – die machen IMHO besonders und meist liebenswert.

    Danke, dass Du mich (uns) nicht vergessen hast, Tanja :-)

    Antworten
  3. Pingback: Der Ausstieg aus dem Optimierungswahn | Fundstücke aus dem Internet

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