Downsizing Deluxe – Fahrrad ist nicht gleich Fahrrad

Jack Downgrade Fahrrad

Emi Downgrade Downsizing Fahrrad

Gegen die leicht in die Jahre gekommen Mountainbikes war eigentlich nichts einzuwenden. Beide waren von Markenherstellern mit entsprechend (oder vermeintlich) hochwertiger Ausstattung.

Das war es aber leider auch schon.

Neben den beiden Autos, haben wir in diesem Jahr auch bei den Drahteseln ein Downsizing durchgeführt und uns dafür etwas viel Besseres zugelegt…

Jack und ich sind beide keine Mountainbiker, im Gegenteil. Während sich mein Mann noch wacker am Berg schlägt, bekomme ich schon Atemnot bei dessen Anblick. Schlimmer noch ich bekam Po-Schmerzen beim Anblick meines tollen roten Mountainbikes…
Ein harter ausladender Sattel und eine entsprechend rückenschädliche Sitzhaltung trugen hierzu maßgeblich bei.

Es half alles nichts: Wer Radfahren möchte, der muss leiden.
So tourten wir, mit einer Sitzhaltung wie zwei Affen auf dem Schleifstein, durch die Natur. Die Strafe zeigte sich umgehend nach jeder Radtour: zwei Tage “Rücken” und “Po” für Jack & Emi.

Nach mehreren Jahren der Quälerei und durch den Downgrade-Gedanken (dass es  egal ist, wie viel Geld man irgendwann einmal für die Räder investiert hatte, es muss sich gut anfühlen) fassten wir eine folgenschwere Entscheidung:
Die Räder müssen weg!

Schnell in ein Kleinanzeigen-Portal im Internet inseriert, dauerte es nur ein paar Wochen bis beide Räder für einen unserem Empfinden nach guten Preis von insgesamt 500 € verkauft waren.

Noch schneller hatten wir zwei rostige No-Name-Hollandräder für insgesamt 130 € aufgetrieben.

Warum sich das Fahrrad-Downsizing so gut anfühlt?

  1. Während wir beide relaxt und mit viel Spaß die Fahrräder in der Sonne aufpolierten und reparierten, freuten wir uns riesig über das zusätzliche Taschengeld für unsere anstehende Reise.
  2. Die erste Fahrradtour war ein wahrer Genuss! Gemütlich, aufrecht sitzend, rollten wir durch die Natur. Das gelegentliche Quietschen der Sattel und Klappern der Schutzblechen kam uns irgendwie nostalgisch vor.
  3. Die Vorfreude auf das Frühjahr ist riesig: Einige Reparaturen in den ersten Sonnenstrahlen des Frühlings stehen noch aus. Emi’s weißer oldschool-Fahrradkorb wurde gerade erst auf dem Trödel erstanden und ein gehäkelter Sattelbezug für das Damenrad ist bereits in Planung.

Wir lieben unsere beiden alten Schätzchen bereits schon jetzt viel mehr, als die teueren Mountainbikes. Sie haben uns in den letzten Monaten sehr viel Freude bereitet und bieten uns die Möglichkeit unsere Freizeit so entspannt zu verbringen, wie wir uns das vorstellen: oldschool, easy-going und gemütlich vor sich hin quietschend.

Downsizing Fahrrad Downgrade Deluxe Minimalismus

…ein schönes Foto gibt’s im Frühjahr.

Hattest Du auch schon ein solches Downsizing-Erlebnis?

Wo weniger mehr war, alt besser als neu oder selbst repariert/restauriert Dir viel mehr bedeutete als neu hingestellt?

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Tanja Heller

    Klingt toll! Ich freu mich auf die Bilder, Emi. Die Räder sind wieder im kommen. Unsere Kinder rüsten sich die auch gerade auf als Zweitfahrrad. Mir ist vor kurzem aufgefallen: Man sieht gar keine Jugendlichen mehr unter Mofas liegen, oder?

    Mein Comeback: Das kleine Schwarze. Ohne Display. Mit Schnur. 1 Klingelton. Oh man, hab ich das vermisst: Einfach nur da liegen und der Stimme lauschen. Ohne hektisch rumzulaufen und beschäftigt noch was nebenbei zu machen.

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    1. Emi Artikelautor

      Besinnen sich die Jugendlichen vielleicht auch auf die “alten Werte”? VW-Busse sind ja auch wieder absolut gefragt, da liegen die Jungs und Mädels bestimmt jetzt drunter…

      Das kleine Schwarze mit wuchtigem Hörer, der gedrehte Schnur, die man so oft entwirren musste… und am besten noch mit Wählscheibe, die ein uriges Geräusch von sich gibt, wenn sie in ihre Ausgangsposition zurückläuft.
      Jetzt, wo Du es sagst…Erstaunlich, wie sich das reine “Telefonieren” zur nebensächlichen Multitasking-Aufgabe entwickelt hat. Heute telefonieren wir überall und sind quasi Sklave der Erreichbarkeit. Früher war man entweder nicht zu Hause oder konnte seine Aufmerksamkeit voll und ganz dem Gesprächspartner widmen.

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  2. materialfehler

    Ich mag mein Mountainbike fast lieber als mein früheres Citybike. So unterm Strich, in der Praxis. Die Geschichte dazu ist länger.
    Als ich hier in Wien angefangen habe, mit dem Rad zu fahren, hab ich beim Gebrauchtfahrradhändler ein rosa Citybike abgestaubt, so richtig zuckerlrosa mit Körbchen vorne. Mein GOTT was hab ich dieses Rad geliebt! Mehr als jemals irgendwer sein Rad geliebt haben könnte! Und dann… wurde es mir geklaut. :( Drei Tage lang hab ich um mein Rad geweint als wär mein Haustier gestorben, es war das tollste Rad, das ich je besessen habe. Obwohl es natürlich finanziell keinen wirklichen Wert gehabt hat.
    In dieser Misere hat mir mein Freund sein altes Mountainbike geschenkt, das immerhin knatschgelb ist (Farbe ist mir wichtig). Das ist bei seinen Eltern eh nur rumgestanden, weil er das Rad mit 10 oder 12 bekommen hat (ja, ich bin tatsächlich so eine winzige Person). Es ist sogar ein sehr hochwertiges Rad/Rahmen, das nicht mehr hergestellt wird und hat den Fahrradherrichtmenschen Sentimentalitätstränchen in die Augen getrieben. Sind zu fünft drumherumgestanden und haben es bestaunt :D
    Auch wenn ich mein rosa Rad auch jetzt nach 3 oder 4 Jahren immer noch sehr vermisse und bei jedem angebundenen rosa Fahrrad da draußen heftig seufzen muss, dient mir das Mountainbike viel besser hier im verdammt hügeligen Wien. Das rosa Rad war aber immerhin ein Alurad – mit schweren Hollandrädern würd ich hier eingehen (Holland ist ja immerhin flach). Ich muss außerdem mein Fahrrad täglich über Stufen in den Keller oder Hof tragen, selten sogar in den dritten Stock Altbau und da ist so ein Mountainbike halt schon viel leichter.
    Es war bei mir ein aufgezwungenes Downsizing, was den Style angeht, der Fahrkomfort ist aber mit dem Moutainbike wirklich besser. Nix Rücken und nix Po. Maximal Handgelenke beim Kopfsteinpflaster (gibts eh nur mehr selten) – ich hab nämlich keine Federgabel. Deshalb wunder ich mich sehr darüber, dass ihr die Mountainbikes hergegeben habt, aber das ist halt auch alles seeehr individuell.
    Was ich auch gelernt habe, ist mich nicht mehr emotional zu sehr an mein Rad zu binden, wird ja doch ständig gestohlen. ich mag mein jetziges Rad auch sehr, es ist super bequem, es ist knatschgelb und es hat mal meinem Freund gehört – aber ich würde nicht mehr Rotz und Wasser heulen, wenn es mir geklaut wird. Nur stinksauer sein und dann vermutlich wieder ein rosa Rad suchen *hust*

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    1. Emi Artikelautor

      oh ha! Gut, dass Mountainbikes und Hollandräder so seine Liebhaber haben. Aber wir wohnen auch eher im flachen Land, da sind Mountainbikes ein bißchen… na ja… obersportlich ;-)

      Eine schöne Rad-Geschichte, die du da hast. Vor allem, weil sie absolut das Paradox des Dinge-Liebens darstellt. Kein Herz, nur Metall und doch… einzigartig.
      Wenn du dann noch anfängst Fahrrädern oder Autos einen Namen zu geben, ist es um dich geschehen… Für immer! Wie mit dem rosa Rad bei dir.

      BTW noch einmal extra für dich und Jack und mich:
      An alle Menschen, die Fahrräder klauen…
      IHR KLAUT UNSERE FREUNDE UND TREUEN BEGLEITER!!
      (Bei Jack war es sein flatsch neues, super-duper Fahrrad, bei mir mein erstes, einzigartiges 80er-Jahre BMX-Rad. Das Gemeine: wir waren beide jeweils weniger als 10 Jahre alt!)

      Fällt mir grade noch auf, wann handelt es sich eigentlich um ein Upgrade oder ein Downgrade? Das kann doch nicht rein über den Preis definiert sein?!

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