Konsum auf Pump – ein Shopping-Märchen

Kosum auf Pump_DowngradeDeluxeKonsum ist überall.

Konsum ist jeden Tag.

Konsum kann jeder.

Okay, okay, soll jeder mit seinem Geld machen, was er möchte. Schleudert es zum Fenster raus, kurbelt ordentlich die Wirtschaft an. Ganz ohne Konsum von Verbrauchsgütern wie Lebensmitteln könnten wir ja eh nicht überleben.

Jack und ich gönnen uns ehrlich gesagt auch gerne schöne Dinge oder Erfahrungen, wenn wir in ihnen einen Mehrwert für uns sehen. Wir reisen ganz gerne und erleben auch gerne viel zu Hause. Wenn wir etwas kaufen, dann soll es auch möglichst lange halten. In dieser Hinsicht sind wir (nach kritischer Prüfung) auch bereit einen höheren Preis für etwas zu zahlen.

Ein Shopping-Märchen

Aber was ist mit dem Konsum, den die Leute sich gar nicht leisten können?
Was ist mit dem Konsum auf Pump?

Mir erscheint es wie ein Tabu-Thema, welches niemand anprangert und welches auch in der Gesellschaft als nicht verwerflich gilt. Durch 0%-Finanzierungen, günstige Kredite, Leasing-Verträge können wir uns scheinbar alles leisten, was wir begehren. Da kommt nicht nur ein Eigenheim in Frage, sondern auch Urlaub, Inneneinrichtung, Autos, Luxusgüter und die neuste Technik.
Warum auch warten, wenn man sofort alles besitzen kann? Shoppen wie ein Lotto-Millionär heißt die Devise. Statussymbole für alle!

Ich persönlich dachte immer, dass man sich etwas vorher verdienen muss, sprich für etwas sparen muss. Das Feedback einiger Twitteraner bezüglich der Kreditaufnahme für einen Urlaub spiegelt ähnliches wider.

Scheinbar ist es jedoch gar nicht so ungewöhnlich, für Luxus einen Kredit aufzunehmen:
Top 10 der Kreditverwendung: Wofür sich die Deutschen 2013 Geld liehen

Die Top 10 für den Konsum auf Pump

  1. Umschuldung & Ablösung alter Kredite
  2. Wohnen
  3. Auto & Motorrad
  4. Liquidität
  5. Gewerbe
  6. Familie & Erziehung
  7. Betriebsmittelinvestition & Investition
  8. Reisen & Urlaub
  9. Feierlichkeiten & besondere Anlässe
  10. Aus- & Weiterbildung

Konsum auf Pump in der Realität

Das ist leider nicht bloß graue Theorie: Aus dem ferneren Bekanntenkreis habe ich gehört, dass ein junges Paar Kredite für den Kauf einer Wohnung, die Hochzeit und den jährlichen Urlaub aufgenommen hat – alle innerhalb eines Jahres.

Gut, eine Wohnung hat ihren Preis. Den kann man natürlich nicht aus der Portokasse bezahlen und ist auf eine Fremdfinanzierung angewiesen. Auch Aus-/Weiterbildung sowie Ausgaben für das eigene Gewerbe sind eine langfristig wertvolle Investition.

Doch was ist mit der Traumhochzeit, dem Urlaub oder Wohnungseinrichtung, sprich Dingen, die man gerne hätte, aber nicht unbedingt (sofort) haben muss?

  • Ist unsere Bereitschaft zu verzichten oder das Ersehnte günstiger zu halten so gering?
  • Muss es immer etwas prestigeträchtiges sein? Die Einrichtung im neusten Trend? Eine Hochzeit wie ein Royal?
  • Wollen wir alles sofort besitzen?
  • Ist es in unserer heutigen Gesellschaft so gewöhnlich, auf Pump zu leben?
  • Wie viele der Autos auf den Straßen sind wohl bar bezahlt oder überhaupt abbezahlt?
  • Wie viel mehr Schein als Sein begegnen wir jeden Tag?

Der Preis des Pumpens

Und der Preis? Warum zahlen viele Menschen gerne den Preis der Freiheit?
Warum machen wir uns abhängig vom System durch finanzielle Verpflichtungen? Sperren uns ein in einen goldenen Käfig mit entsprechendem Hamsterrad?

Ist Konsum auf Pump ein Tabuthema?!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Pfundi

    Ach, wenn die Leute sich wenigstens für Luxus verschulden würden.
    Die Wahrheit ist ja noch viel trauriger.
    Die leben einfach konsequent über ihre Verhältnisse und rutschen immer tiefer in die “Dispo”.
    Irgendwann beginnen viele sogar damit, mit der Kreditkarte Bargeld abzuheben und auf ihr Konto einzuzahlen, damit sie wieder ins Limit kommen.
    Und die Banken fördern das noch durch griffige Fomulierungen.
    Man macht ja heutzutage keine Schulden mehr, sondern “schöpft die Dispo aus”. Und die Banken räumen einem gerne eine Dispo von 3 Monatsgehältern ein, die bei den Kunden dann noch die Illusion entstehen lässt, in 3 Monaten wieder zurückzahlen zu können – komplett ignorierend, dass sie schon derzeit nicht mit dem Geld auskommen.
    7-8% Zinsen mit quartalsmäßigem Zinseszins-Effekt.
    Wenn dann keine Luft mehr nach oben ist, wird umgeschuldet auf einen Ratenkredit und dann wird meist heftig geflunkert und eine Anschaffung in den Verwendungszweck gesetzt, die es nie gab.
    Bitter ist, dass die meisten nun genau so weitermachen wie zuvor, zu den laufenden Kosten nun aber noch die Kreditraten dazu gekommen sind.
    Wer jetzt noch den Job verliert, sich trennt oder schwanger wird, kommt aus der Schuldenspirale so schnell nicht mehr raus.
    Merkt man, dass ich ein Jahrzehnt bei der Bank gearbeitet habe?
    Nebenbei betätige ich mich gelegentlich als Schuldenberaterin.
    Als erstes kündige ich mit den Leuten immer sämtliche Abos. (Handy, Zeitschriften, Pay-TV) – oft reicht das schon um mit dem Gehalt wieder über die Kosten zu kommen. Nur mal so als Denkanstoß.

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Pfundi, Dein Bericht hört sich erschreckend an!
      Wir sprechen hier von Downgrade Deluxe im Sinne von: “Kündige Deine Abos, verkauf Dein totes (herumstehendes, ungenutztes) Kapital und konsumiere bewusst, dann hast Du viel mehr Geld und Zeit, sowie weniger Verpflichtungen” und dann gibt es wirklich Menschen, denen solche Maßnahmen primär helfen aus den Schulden herauszukommen.

      Warum gerät man in so etwas hinein? Glauben solche Menschen den Werbeversprechen? Denken sie nicht an die Konsequenzen? Haben sie denn keine Angst???

      Antworten
  2. Frank

    Hahaha….Dein Text ist noch viel zu harmlos geschrieben ;-)
    Konsum auf Pump ist eine Volkskrankheit. Die Leute können einfach nicht rechnen….
    was glaubst Du wie oft ich als Selbständiger höre “ja, Du kannst das ja auch >>absetzen<<"…
    Niemand muss ein abgeschlossenes BWL-Studium haben, um zu verstehen, dass das so gar nicht stimmt, und ich das Produkt aber trotzdem BEZAHLEN muss. Klar, ich kann mir die Vorsteuer ziehen, aber das verstehen noch weniger ;-) Wahrscheinlich wollen viele das gar nicht verstehen, das würde ihnen ja den Spaass am verdrängen nehmen

    Manchmal glaube ich, das "shoppen" heutzutage ist so eine Verdrängung, was viele Leute betreiben. Es ist eben einfach, in den Laden zu gehen, und Dinge zu kaufen (die man eigentlich gar nicht braucht), um von anderem abzulenken oder anstatt mal nachzudenken oder was zu machen ohne Geld auszugeben.
    Das allermeiste, was heute so "geshopt" wird, landet eh alsbald ungenutzt in dunklen Ecken und Kisten, weil es nur kurz die eigene Ohnmacht überdeckt.
    In Berlin ist heute zB (wieder mal) "verkaufsoffener Sonntag" – etwas, was ich nicht mal zur Weihnachtszeit verstehe. In der Woche von 10 bis 21 Uhr reicht incl. Samstags reicht wohl noch nicht….

    Und genau ebenso sieht es mit dem Konsum auf Pump aus…. "der Kredit bezahlt sich doch von selbst" – "wird schon klappen" – das sind doch die Sprüche die man oft dazu hört. Ist ja auch "verlockend" – "5000 Euro Sofortkredit ohne Schufa" o.ä., um dann jahrelang "lächerliche" 75 Euro im Monat zu bezahlen. Oder das Auto zu finanzieren oder den Urlaub usw usw. Nur macht sich keiner klar, dass er/ sie am Ende jeweils wesentlich mehr als diese 5000 Euro bezahlt durch Zinsen usw, als wenn man eben noch ein Jahr gespart hätte um was auch immer sofort komplett bezahlen zu können.
    So sieht es auch mit den "0%-Finanzieerungen" aus. Bezahlen muss man es trotzdem.
    Und was passiert, wenn die Einnahmenseite mal nicht mehr sprudelt, man ganz den Job verliert, oder man gar krank wird. Darüber denken doch nur wenige nach. Pfandleihhäuser und Autoplätze sind voll von Dingen, die die Leute am, Ende doch nicht bezahlen konnten…. gar einen "Burnout" gekriegt haben eben dadurch, dass nur noch Geld für Keditabzahlungen verdient werden muss….
    Meine Vorednerin aus der Schuldnerberatung kann da ganz sicher nur zustimmen ;-)

    Das Einzigste wofür man sich mE überhaupt nur verschulden sollte, ist ne Immobilie oder eine Selbständigkeit – also etwas, was langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit einen "Mehrwert" bringt. Ich käme nie auf die Idee, ne Glotze, Urlaub, ein Auto oder eine spiessige Schrankwand so zu bezahlen.

    Ausserdem ist das ein Teufelskreislauf. Wenn man so einen Kredit zu tilgen hat, ist dies ja auch eine Form von Druck auf einen selbst, denn man muss die Bank ja bedienen. Das heisst, die Summe muss jeden Monat aufgebracht werden, sonst droht erhebliches Ungemach. Da Leute, die zu solchen kurzfristigen Geschäften neigen, meist mehrere solcher Verpflichtungen haben, müssen sie am Ende, wenn sie es denn überhaupt schaffen, mehr arbeiten, abends noch Pizza ausliefern o.ä. Wo ist da der Gewinn oder gar der Nutzen für einen selber- nur um sich die neuste Glotze hinstellen zu können?!

    Um Deine Frage zu beantworten: Heute ist das meiste nur noch SCHEIN und kaum noch sein.
    Konsum auf Pump ist aber kein "Tabu"-Thema, sondern "heute normal" und das was da dran hängt wird lieber verdrängt. Den wirklichen Preis, den viele für dieses "Leben auf Pump" bezahlen, lässt sich in Geld nicht aufrechnen ;-)

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Manchmal könnte ich ko****, wenn ich nach Düsseldorf in die Stadt fahren muss. Ich habe 5 Jahre in einem Geschäft auf der Kö gearbeitet und dort von Stars, über Geldadel und möchte-gern-Reiche alles mitbekommen. Keine Ahnung, wie viel hinter all dem steht! Auf jeden Fall widert mich dieses Getue an!

      Schlimmer noch: Wenn nur 40 % des gesehenen Luxus auf Pump gekauft sind… nein, nicht nur wenn… das Getue ist peinlich! Für die, die Geld besitzen wie auch für die, die lediglich so tun und sich letztendlich hoch verschulden.
      Dieser SCHEIN ist doch ein Beispiel für einen Minderwertigkeitskomplex, ein Loch im Selbstwert, welches gestopft werden soll. Einigen wenigen, richtig, richtig reichen Menschen hat man ihren Reichtum übrigens nicht angesehen oder angemerkt. Sie waren wohlerzogen und nicht abfällig, sie trugen die Luxus-Label versteckt mit Eleganz und nicht am besten auf der STIRN!!! *gr*

      Dieser Konsum auf Pump führt doch, wie du bereits schreibst Frank, nur zu Unglück und Verpflichtungen. Jack erzählte auch von ehemaligen Kollegen, die todunglücklich waren, weil die absolut gefangen sind in ihren Krediten. Das Haus muss abgezahlt werden, die Kinder brauchen eine gute Ausbildung, ein repräsentatives Auto muss her und die Frau setzt ihren Mann auch noch unter Druck, weil sie gewisse Ansprüche hat. Wer will so ein Leben? Welches Paar möchte so ein Leben? Viele Ehen zerbrechen unter diesem Druck? :-(

      Deswegen bin ich der Meinung, dass Kredite ein Tabu-Thema sind. Zumindest redet niemand über ihre negativen Auswirkungen auf den Einzelnen. In der Werbung wird doch suggeriert, dass man mal ebenso einen easy-credit für den Urlaub erhält. Das ist sch***!
      Die Menschen bezahlen mit ihrer Lebenszeit…. und wie du schon sagtest, wer rechnen kann, weiß doch dass im Kaufpreis einer 0%-Finanzierung eigentlich der Kredit, Bearbeitungskosten und die Zinsen einkalkuliert sind. Die Unternehmen haben nix zu verschenken. Die Blöden sind immer die Konsumenten, die nicht nachdenken oder zu viel vertrauen. Man sollte Kredite für reinen Luxuskonsum in der Öffentlichkeit anprangern. Sie sollten etwas peinliches sein und nicht durch Bewunderung für das Neuangeschaffte auch noch von außen positiv belohnt werden!

      So, jetzt brauch ich erst mal ne Entspannungsübung, um den Puls wieder runter zu holen ;-)

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      1. besitzloser

        Die Menschen können eben nicht mehr rechnen, jedenfalls viele nicht. Das hat ganz einfach mit der heute um sich greifenden oberflächlichen Lebensweise (Brot und Spiele ;-) ) zu tun. Manchmal, wenn ich schlechte Laune habe und mir egal ist ob ich dann überheblich wirke, nenne ich das auch Verblödung.
        Es ist eben einfach, den ganzen Tag in so einem Shoppingcenter zu verbringen und sich die Wohnung mit aller möglichen Elektronik und sinnlosem Zeug vollzustellen und mit den “modischsten Klamotten” -wie Du schon richtig sagst- das Selbstbewusstsein aufzupeppen.
        Kurzweilige gekaufte Geborgenheit nenne ich das, solange die Dinge aus reiner Überdeckung von eigener Oberflächlichkeit und Leere konsumiert werden.

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  3. Tanja Heller

    Hallo Emi,

    ich erschrecke regelmäßig – nicht nur im Fernsehen – wenn junge Leute schon Kredite abbezahlen für unnötige Dinge wie Einbauküche oder Auto. Ich hasse beides. Nennt sich Finanzierung. nettes Wort für Schuldenfalle. Ich hab noch nie was mit Karte gezahlt. Hab keinen Dispo. Auf den Minimalismusblogs hab ich gelernt, dass es heute anscheinend normal ist, alle 2 Jahre ein Handy oder einen Computer gegen das neuere Modell auszutauschen. Hä?

    Auch diese dünnen Fernseher, für die man einen 60 qm Raum bräuchte, damit das Schauen überhaupt angenehm ist, finde ich fürchterlich. Scheinen aber was mit Ansehen :) zu tun zu haben. Ich liebe meinen 17 Zoll Laptop und da reicht mir oft die MIniaturansicht. Auch interessant: Punkt 10 wäre für mich das einzige Argument, weil es Mehrwert bietet. Aus- und Weiterbildung.

    Zähne. Auch so ein Thema, wo ich regelmäßig erschrecke. Nicht nur im Fernsehen. Gehören zum Gesamtbild und vorallem zur Gesunderhaltung des GANZEN Körpers (!). Guter Zahnersatz aus Deutschland sollte wichtiger sein, als das neuste Handy oder weitere Shoppingexzesse. Zahnlücken MÜSSEN geschlossen werden. Wichtig für die umliegenden Zähne.

    LIebe Grüße,
    Tanja

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Hey Tanja,

      ich hätte, egal in welchem Alter, immer Respekt vor einem Kredit. Man ist gebunden und unfrei. Woher kommt es wohl, dass die Menschen keine Angst vor dieser Verpflichtung haben? Überwiegt die Gier nach dem neusten Fernseher, Smartphone, was auch immer?

      Für Zahnersatz könnte ich mir übrigens auch vorstellen, viel Geld auszugeben. Da schaut ja jeder hin… BTW. Viele finden Zahnlücken zumindest bei Frauen süß! (nicht, dass ich ein habe)

      LG Emi

      Antworten
  4. Maria

    Meine Kinder sind 17 und 18 Jahre alt und obwohl ich ihnen einen bewussten Umgang mit Geld vorgelebt habe, ist der Einfluss aus dem Freundeskreis scheinbar so groß, dass sie auch immer alles sofort haben wollen.

    Ein neues Handy, einen neuen PC und einen neuen Laptop gleich dazu und dann noch ein eine Spielconsole, dazu braucht man natürlich auch die passenden Spiele etc.

    Im Sommer wird zwar gearbeitet, aber kaufen will man sofort. Also kommt die Frage “Mama, kannst Du mir mal helfen” und ich zahle Dir das eh von meinem Ferialjob zurück.

    Dass das aber auch ein Kredit ist, auch wenn er nicht bei einer Bank aufgenommen wurde, ist niemandem klar…

    So fängt es an und so geht es dann mit einem Kontoüberzug weiter und wenn man dann das Konto im Minus hat und niemand mehr weiß, was damit passiert ist, dann ist eh schon alles egal.

    Das Problem liegt aber in Wahrheit wo anders, nämlich beim HABEN WOLLEN und NICHT warten wollen und beim sich selbst über seinen Besitz definieren.

    Es ist ein langer Weg zu sich selbst bis der Konsum nicht mehr wichtig ist…

    lg
    Maria

    Antworten
  5. Emi Artikelautor

    Hallo Maria,
    hmm, ein zinsloses Darlehen bei Mutti also :-)

    Das ist auf jeden Fall eine bessere Lösung als sich “offiziell” zu verschulden. Vor allem wenn es um etwas geht, was wirklich sofort benötigt wird. Zum Beispiel einen Führerschein, um einen Job auszuüben.
    Aber du hast recht, prinzipiell sollte man sich gar nicht erst daran gewöhnen Geld auszugeben, was man nicht hat.

    Doch folgendes steht dem Euren Kommentaren zufolge im Weg:
    - Pro-Kredit-Mentalität durch Werbung (0%, easy und so weiter)
    - Dispo
    - das Nicht-mehr-entbehren-Können (weil man es nicht mehr gewohnt ist)
    - das Nicht-entbehren-Wollen (weil man gleichwertig mit anderen daher kommen möchte)
    - Shoppen als Zeitvertreib, weil viele gar nicht mehr wissen, was sie mit sich selbst anfangen sollen.
    - ..?

    Ein schöner und wahrer Satz, Maria..
    “Es ist ein langer Weg zu sich selbst bis der Konsum nicht mehr wichtig ist…”
    Vielen Dank!

    Liebe Grüße
    Emi

    Antworten
  6. David

    Eine kleine Randnotiz, die ich kürzlich gemacht habe:

    Ich wollte mir ein neues Handy kaufen. Das Gerät meiner Wahl gab es am günstigsten bei einem Anbieter, der auf 0% Finanzierungen im Internet spezialisiert ist. Da der Gesamtpreis nicht so hoch war, dass ich das finanzieren wollte (169€), habe ich verzweifelt nach einer Möglichkeit gesagt, den Betrag direkt vollständig zu bezahlen. Es geht einfach nicht!

    Das Gerät lag unter der aktuellen UVP des Herstellers und unter dem Preis, den man in anderen Online-Shops zahlen musste.

    Erklären konnte ich mir dieses Lock-Angebot nur so: Zur Erstanmeldung ist Papierkram notwendig (Postident, Schufa Anfrage etc.) da man ja ganz offiziell einen Kredit aufnimmt. Hat man dies einmal hinter sich gebracht, steht einem aber der gesamte Shop des Herstellers offen und man kann nach Herzenslust finanzieren. Außerdem gibts eine Kreditkarte mit Bonus hier und da bla bla dazu.
    Ich denke so sollen Kunden, die vielleicht noch zurückschrecken, zaghaft ans Kaufen auf Pump gewöhnt werden.

    Zum Glück habs in meiner Kindheit eine einfache Regel: Gekauft wird nur, was wir bezahlen können ;-) So wurde ich als kleiner Stöpsel zwar mit einem älteren Auto rumgefahren, habe aber dauerhaft eine Lektion für mein Leben gelernt.

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Hey David,

      das ist wirklich ein sonderbares Beispiel. Vielleicht ist neben den persönlichen Daten auch die Kreditkarte mit “verlockenden” Folgeangeboten der Haken? Kundenbindung, Kreditkarte, Sofortkredite ohne Papierkram im besagten Geschäft, verführerische Angebote…
      Kling, kling, klingelt’s in der Kasse? ;-)

      Vielleicht hat einer der Leser eine Idee, warum manche Geschäfte solche Angebote machen? Oder es erklärt, warum die METRO Group gestern so schlechte Quartalszahlen gemeldet hat. (Sorry, kleiner, gar nicht netter Scherz am Rande… *g*)

      Da kann man echt froh sein, wenn man wie Du als Kind bereits gelernt hat: Keine gemischte Tüte vom Kiosk ohne vorher das Sparschwein zu füttern.

      Viele Grüße
      Emi

      Antworten
  7. Ibrauchnix

    Über Geld spricht man nicht.
    Wen wundert es also, daß sich viele Verschulden!? Ich glaube, durch diesen Grundsatz sprechen auch viele mit sich selbst nicht mehr über Geld und lassen daher nichteinmal einen inneren Dialog der Für und Wider zu: “ach, was soll’s, 30€ ” und hier “die 70€, ach komm, das sind ja unter hundert, das geht schon!” Das wird dann immer unangenehmer und so stirbt der innere und äußere Dialog – wer gibt schon gerne Fehler zu!?

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Paradox:
      “Über Geld spricht man nicht”, aber über all die “tollen” Dinge, die man sich gekauft hat.

      Fettes Auto, fette Bude, schicke Klamotten… aber kein Geld, um sich mehr Freizeit zu gönnen… oder ein entspanntes Leben… oder leckeres Essen… oder so.

      Ob irgendwann die Menschen merken, dass das alles nur Augenwischerei ist?

      Antworten
      1. Ibrauchnix

        Na klar, die tollen Dinge die man HAT (sehr schön, das das Wort HAT auf englisch HUT heißt – Kleider machen ja bekanntlich Leute!) die machen einen ja aus ODER etwa nicht!? 8-o

        Antworten
        1. Ibrauchnix

          Bin gestern an einem tollen Schild vorbeigelaufen – auf dem Weg IN die Stadt, hab’s gleich gepostet….

          Text geht etwa so: Viele Leute kaufen Dinge, die sie nicht wirklich brauchen um Leute damit zu beeindrucken die sie nicht wirklich mögen…..

          Antworten
          1. Emi Artikelautor

            Das Zitat trifft’s ziemlich gut! Das ganze Theater nur, um Menschen zu beeindrucken, die man nicht mag.
            Die, die Dich (Dein SEIN) mögen (und umgekehrt) interessiert der SCHEIN ja gar nicht. =P

  8. konsumrebellin

    Hallo, liebe Emi,

    es ist kein Wunder, dass Konsum auf Pump so ein Tabu ist: Die pumpenden Konsumenten werfen lieber Nebelbomben, um zumindest den Anschein von Status aufrecht zu erhalten. Außerdem sind Schulden kein schönes Thema. Also verdrängt man das lieber.

    Und die Wirtschaft (resp. die Politik) hat null Interesse daran, dieses Problem zu thematisieren. Es wäre mal interessant, was in diesem Land überhaupt noch so gehen würde, wenn jeder wirklich nur das kauft, was er sich leisten kann. Eine Katastrophe wäre das. Umsatzeinbrüche noch und nöcher. Die Politik meckert ja eh schon über die “falsche Sparsamkeit” der Deutschen und denkt über Negativzinsen nach, um das Sparen zu bestrafen. Also problematisiert man den Konsum auf Pump natürlich nicht. Die unangenehmen Konsequenzen hat im Grunde ja ohnehin der Einzelne zu tragen. Mir ist kein pleite gegangener Konsument bekannt, der eine Verdienstmedaille für seine aufopferungsvolle Förderung des Wirtschaftswachstums erhalten hätte.

    Ich bin auch immer wieder fassungslos, wofür sich Leute so verschulden. Ich habe gelesen, dass inzwischen etwa 60% aller Privatinsolvenzen mit Telekommunikationsrechnungen in Verbindung stehen … wie blöd muss ich sein, mich zu verschulden, nur damit ich mich von einem flachen Brett mit Apfel drauf permanent nerven lassen kann?

    Wie groß die Konsumschulden-Katastrophe hierzulande wirklich ist, kann man ja nur erahnen. Unser Haushaltseinkommen ist jetzt nicht der Wahnsinn, liegt aber schon ein Stück über dem Durchschnitt. Außerdem haben wir keine Kinder. Trotzdem sind ständig neue Autos, Handys, Möbel, Flatscreens etc. da nicht drin … mal abgesehen davon, dass wir nicht einsehen, bei diesem Rattenrennen mitzumachen.

    Ich persönlich finde es cooler, sich etwas leisten zu können, aber es nicht zu kaufen. Kaufen, aber nicht leisten können … das kann und macht doch (fast) jeder ;-)

    Liebe Grüße
    konsumrebellin

    Antworten
  9. Mitch

    Liebe Gleichgesinnte,

    unsere Zeit und Gedanken sind es doch nicht wert, sich über solche Zeitgenossen aufzuregen?! Oder doch? Leider betrifft es doch auch Personen in der eigenen Familie – sage ich als Mitte Dreißigjähriger – und vor allem nahezu die gesamten Mitmenschen! Das ist im Grunde sehr verstörend, da alle in einem Hamsterrad gefangen sind. Jeder muss mitmachen, ansonsten wird man ausgegrenzt. Ein gemeiner Teufelskreis. Ohne Smartphone keine mobile Kommunikation, keine “solchen” Freunde, kein Fratzenbuch= Vereinsamung, kein teures Auto und Wohnung, keine ebensolche Freunde. Das ließe sich immer weiterführen..

    Schon lange bemerkt man in gewissen Alterststrukturen eine Ausgrenzung und Polarisierung. Das Schlimme daran ist: Man möchte nicht mitmachen, so wie wir!
    Es wächst eine homogenisierte Bevölkerung heran, mal schauen, wie das in ein paar Jahren wird. Schon damals habe ich die Prognosen über gleichaltrige während der Schulzeit gefällt; leider sind sie eingetreten.

    Ja, ich bin etwas traurig und sauer, dass es so ist, wie’s ist. Es zählt einfach nur der Schein, mehr nicht. Schaut doch auf die Scheidungsraten… wie verlässlich sind noch “Beziehungen”? Frauen trennen sich immer lieber, um Vorteile des Scheins zu erlangen. Sicher, Ausnahmen gibt es zu all diesen “Problemen”; auch meine Freundin ist so eine, und ich schätze mich glücklich, aber manchmal kommt es mir so vor, als seien wir alleine auf dieser Welt, die so ein Denken haben.

    Ich befand mich einst auch in diesem Hamsterrad, großer Luxus, teure Autos, Wohnung, dies und jenes – aber alles durch die Arbeit abgedeckt, gute Lebensmittel und und und, aber es wurde irgendwann zu viel, auch die Arbeit, dass ich hinwarf. Die Mitwelt versteht es nicht, die Familie noch weniger. “Freunde” haben sich abgewendet, nach einiger Zeit sogar echte Freunde nach mehreren Jahren, die durch neue “Freunde” doch dieser Welt erlegen sind. Traurig aber wahr, denn das Problem vieler ist das mangelnde Selbstwertgefühl UND Selbstbewusstsein. Gerade Frauen haben von Natur aus weniger. Ja, die Natur ist nicht ganz unschuldig an unserem Verhalten, denn diese gibt nahezu alles vor, und die niederen Instinkte können wir nicht kontrollieren, vielleicht nur wir? :-)

    Es ist, wie oben schon angedeutet, kein neuzeitliches Problem – es steckt einfach im Menschen drin.

    Im Übrigen habe ich nette Bekanntschaften aus anderen Ländern, die in Deutschland zum Arbeiten oder studieren sind. Sie sind noch sehr freundlich und offen für alles eingestellt, sehen natürlich unseren Konsum und Luxus, aber dieser zählt nicht wie bei uns. Er hat auch nichts mit der Freundschaft und dem Ansehen zu tun. Hier wird meist auf “kleinster Flamme” gelebt, aber dennoch zufrieden und glücklich, bis sie viel. auch dem Konsum erlegen sind. Bis dahin konnte man mit ihnen noch gute Stunden verbringen, Spaß und Freude erleben. Man selbst wird auch nicht nach Status und Wohlstand beurteilt.

    Ich könnte den ganzen Abend darüber schreiben. Die oben quergedachten Ausführungen lasse ich so stehen. Vielleicht kann jemand auch meinen kleinen “Hilferuf” entdecken. Wo sind nur die Menschen hin, mit denen man sich gut austauschen und ehrlich (!) anfreunden kann?

    Beste Grüße und viel Erfolg mit diesen Seiten!
    Mitch

    Antworten
  10. besitzloser

    @Mitch,

    Ich kann Dir in jeder Hinsicht nur zustimmen…exakt meine Erfahrungen.
    Ich habe auch mal “alles” besessen, alles gehabt was man denkt haben zu müssen – aber ich war nie glücklich damit. Als ich mein Leben änderte, waren 70% aller Freunde weg ;-)
    Auch das mit den Einstellungen vieler Menschen aus anderen Ländern unterschreibe ich genau so!

    Aber ich rege mich nicht (mehr) über bestimmte Zeitgenossen auf. Ich mache das was ICH für richtig halte und lebe es anderen vor, ohne sie “missionieren” zu wollen.
    Ich war und bin erstaunt, wieviele DANN plötzlich anfangen nachzudenken und zB anfingen, sich von Zeug zu trennen, obwohl ich das nie vorgeschlagen hatte ;-)
    Auch wenn das Entsorgen von überflüssigem Besitz bekanntlich nur EIN Schritt ist.

    Antworten
  11. netzvagabund (Astrid)

    Leben auf Pump, nur um irgendwie dazu zu gehören. Ich sehe das jeden Tag. Ich jobbe zur Zeit in einem Call-Center für einen großen Internethandel und muss jedes Mal mit dem Kopf schütteln, wenn ich sehe für was sich die Leute so in Schulden stürzen. Ganz oben auf der Liste sind da tatsächlich Handys, Fernseher, Spielekonsolen, Laptops und auch Klamotten. Ist der Account eines Familienmitglieds wegen der Schulden gesperrt, wird über die Kinder eingekauft oder Fake-Accounts erstellt. Viele haben überhaupt keinen Durchblick mehr, was sie eigentlich alles gekauft haben und noch bezahlen müssen. Und obwohl schon ein gerichtliches Mahnverfahren läuft, muss man noch irgendwie an das neueste Gerät rankommen.
    Und nach all dem hat man eine alleinerziehende Mutti am Telefon deren Waschmaschine kaputt gegangen ist, und die fast weint, weil sie nicht weiß wie sie die bezahlen soll. Das sind dann die Geschichten von der anderen Seite. Von Menschen die für die nötigsten Dinge in diesen Schuldentrudel gerissen werden. Und dann weiß man manchmal auch nicht mehr, was man da noch sagen soll…

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Hallo Astrid,

      wow, vielen Dank, dass Du diese Erfahrung mit uns teilst…

      Es ist schon verrückt mitzubekommen, wie manipulierbar wir Menschen sind. So viele Mangelgefühle werden uns durch Werbung suggeriert, aber dass diese gleichzeitig dazu führen, dass manche Menschen ihre Kinder oder sich selbst in Schulden stürzen!
      Erschreckend.

      …und wie Du bereits geschrieben hast, es ist bitter, dass manche rudern und strampeln und dennoch keine Wahl haben, als Dinge auf Kredit zu kaufen.

      Paradoxe Welt :-(

      LG Emi

      Antworten

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