Wenn Du gehst, nimm Dich mit: Minimalismus im Urlaub

Minimalismus Reisen UrlaubThere and back again

Wir waren nun einige Zeit unterwegs. Haben schöne und auch schreckliche Dinge erlebt. Haben nette Menschen getroffen und traurige Erfahrungen machen müssen.  Wir haben geliebt und gestritten, gestaunt und gelitten.

Und nun? Wieder zu Hause? Wir sind die alten und – wie immer nach einer längeren Reise – irgendwie auch nicht. Ein Teil von uns ist dort geblieben, während wir noch viel mehr wieder mitgebracht haben.

Ein Auge weint, weil wir heim mussten, eines lacht, weil wir heim durften.

Kurz gesagt: Das minimalistische Reisten mit Rucksack und wenig Schnick-Schnack hält Dir den Spiegel vor. Es erweitert Dein Bewusstsein und zeigt Dir manchmal knallhart, wo Deine Grenzen sind. Du kommst auf den Boden der Tatsachen zurück, weißt wie leicht und gut Du es zu Hause hast und merkst gleichzeitig wie wenig Du brauchst, um zufrieden zu sein.

Einfachheit pur. Das reicht – Du bist glücklich.

Abrechnung mit dem Reisewahn

Doch reisen muss nicht immer toll sein. Es wird in unserer Gesellschaft so unfassbar glorifiziert, so dass  mittlerweile ein regelrechter HYPE ums Reisen entstanden ist.
Es ist schon fast unmöglich etwas Negatives darüber zu sagen, weil niemand glauben würde, dass man es zu Hause mag oder gar nicht gerne weit weg ist. Auch zu sagen, dass ein vermeintlicher Traumurlaub schrecklich war, weil man krank war oder etwa mit der einheimischen Mentalität nicht klar kam, ist nicht chic.

Nein, Reisen ist in. Reisen ist Statussymbol.

Je öfter im Jahr und je weiter weg, desto cooler. Reise dich interessant lautet der Werbeslogan eines Anbieters. Je exotischer und ausgeflippter, je mehr Party und Lifestyle, desto besser.

Eine Möglichkeit zur Entspannung, zur Selbstfindung oder zum Endlich-mal-nix-müssen wird instrumentalisiert und kommerzialisiert.

Obendrein möchte man so viel Leben wie möglich in seinen dreiwöchigen Jahresurlaub quetschen, damit man sich auch gebührlich für die harte Arbeit des Jahres belohnt und möglichst bis ins nächste Jahr davon zehren kann.

Mit Koffern zum Bersten vollgestopft mit Klamotten, um bloß die richtige Auswahl zur Verfügung zu haben, geht es ab in den Urlaubsmarathon.
Wer postet die tollsten Selfies auf Facebook? Wer hat die interessantesten Stories zu erzählen, wenn er heim kommt? Wer hat das exotischste Land bereist, die unorthodoxesten Speisen gegessen? Wer war am place to be?

Wie, Du fährst dieses Jahr nicht in den Urlaub? Hast Du kein Geld dafür?!

SelbstdarstellungsSTRESS pur…. doch wo bleibst Du?

Wenn Du gehst, nimm Dich mit: Minimalismus im Urlaub

Auf unserer letzten Reise haben wir mal wieder eine Lektion Minimalismus gelernt:
Wenn Du verreist, nimm lieber weniger mit. Nimm Dir weniger vor.
Du wirst mehr überrascht, wenn Du einfach mehr von Dir selbst “einpackst”.

Denn was wäre, wenn Du als einzig Wichtiges Dich selbst mitnimmst? Hättest Du dann nicht mehr von Dir und Deiner begrenzten Zeit?

Auf Reisen begegnest Du so vielen Herausforderungen, die dir zeigen, wie du wirklich bist.

Das fängt mit Kleinigkeiten an:

  • Liegst Du lieber am Strand? Schaust Du Dir lieber etwas an?
  • Was tust Du, wenn nichts um Dich herum ist, was Dich unterhält? Kein Animateur, kein Sightseeing-Service. Welche Beschäftigung suchst Du Dir?
  • Über was denkst Du nach, wenn Dich keine persönlichen oder beruflichen Verpflichtungen einbinden? Womit beschäftigt sich Dein Geist?

Und setzt sich mit den wirklich wichtigen Dingen fort, die Dir ein entspannender Urlaub bietet:

  • Erträgst Du es, wenn Dich die Einfachheit einholt?
  • Hast Du sogar Angst davor, wenn nicht jede Minute Deines begrenzten Urlaubs im Vorhinein sinnvoll verplant ist?
  • Wie viel Spielraum für Spontanität bleibt Dir?
  • Wie viel Aufmerksamkeit für die wunderbaren Überraschungen, die Dir das Leben bietet bleibt? Siehst Du ein Wunder, wenn es Deinen Weg kreuzt?
  • Wäre es schlimm, wenn andere Deinen Urlaub langweilig fänden? Wenn Du zu Hause nichts außergewöhnliches zu erzählen hättest? Wenn Du einfach nur relaxt hättest?

Kannst Du überhaupt entspannen und einfach genießen, was ist?

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Gabi Raeggel

    Besten Dank für den wunderbaren Beitrag. So gern wie auch ich natürlich mal gerne wegfahre, so unsinnig finde ich den Erlebnisdruck, der entsteht “Wo warst du? Was hast du gemacht? Wie weit weg? Wie oft im Jahr? Ich pflege dann zu sagen: “Wenn morgens ein Schiffchen von rechts nach links und abends von links nach rechts fährt, habe ich Aufregung genug.” Versteht nicht jeder, aber ich um so besser.

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    1. Emi Artikelautor

      Ha ha! Der Spruch ist gut…

      denen, die es nicht verstehen, hast Du auf jeden Fall etwas zum Grübeln mitgegeben.

      Hab hier letztens schon im Blog kommentiert, dass es selbst “kleine” Unternehmungen, wie eine Reise sind. Denn egal, was man erlebt, es weckt die Lebensgeister und lässt uns fühlen, dass wir in dieses Leben gehören und ein Teil dieser Welt sind.
      Bevor mir das bewusst war, habe ich mich immer entfremdet gefühlt. Beim 0815-Pauschalurlaub, beim Shoppen, im schicken Auto, im tollen Restaurant – eine künstliche Welt.

      Heut gehen wir ne Runde spazieren und erleben so viel, dass ich gar nicht unbedingt weit von zu Hause weg muss. :-D

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  2. Tanja Heller

    Dann bin ich gerne out. Ich hätte auch nix gegen Reisefieber, nur kommt es nicht auf. In mir ist eine ganze Welt und Reise wäre nur Fototapete. Ich vermisse allerdings die Gerüche vom Süden, den Märkten, vom Meer. Duftfernsehen wäre toll! :)

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    1. Emi Artikelautor

      Das hast du schön geschrieben: “In mir ist eine ganze Welt..”

      Wer im Außen sucht, bevor er sein Inneres ergründet hat, wird wahrscheinlich eh nur hetzen und sein Ziel nicht erreichen. Da haben wir wieder die innere Leere

      Duftfernsehn, das wäre ne Idee! Meeresbrise, Sonnencreme, Phad-Thai aus der Garküche… Jeep! Ich bin dabei! ;-)

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  3. Robert

    Hallo hier schreibt der Robert,
    Das mit dem Schiffchen von rechts nach links etc.ist super……
    ICH kann mal wieder alles unterschreiben was hier bisher geschrieben wurde…..
    Meine letzte Reise, besser gesagt URLAUB liegt gerade hinter mir, es war der erste Urlaub seit ich den Minimalismus wirklich ausgeprägt lebe….und deswegen auch einer der schönsten…..WARUM?? Weil ich einfach mein alltägliches Leben so im Griff habe dass mich eben so schnell generell nichts mehr stresst…..eben durch die wenigen Dinge um die ich mich kümmern und ja auch sorgen muss,aber auch weil ich nur noch so viel arbeite wie eben Not tut……denn nur wenn man generell zufrieden ist und generell das Leben genießen kann nur dann kann man meiner Meinung auch im Urlaub wirklich entspannen……mein Urlaub sieht überdies so aus, dass ich schon immer in den selben kleinen, spanischen Ort fahre. Dort kenne ich ein paar Leute mit denen ich immer ein bisschen mein Spanisch plaudern kann, ansonsten möchte ich einfach für mich sein, in den Tag hineinleben, lesen, einfach nur “Löcher in die Luft gucken” und vor allem, wie es hier ja schon geschrieben wurde, die anderen Gerüche genießen. Gegessen wird ganz einfach, ein bisschen Obst, Salat mal ein bisschen Schinken oder Käse und Baguette….ganz einfach eben…dadurch das es immer der selbe Ort und Ferienwohnung ist, kann ich schnellstmöglich entspannen…..gereist wird nur mit meinem Rucksack, kann an den Warteschlangen der Gepäckbänder vorbeiziehen….was fehlt wird eben dort besorgt…..und Nächstes Jahr werde ich nicht mehr fliegen sondern mit der Bahn fahren, das macht das “Erleben” noch intensiver…….es kann alles soooo einfach sein…..überdies war ich die letzten Jahre gar nicht weg sondern habe die Urlaube auch hier zu Hause genossen……so, langer Text, aber ich wollte hier auch mal meinen Senf dazu geben……Alles Gute an Alle

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    1. Emi Artikelautor

      Huhu Robert,

      das hört sich auf jeden Fall MAXIMAL relaxt an! Je einfacher, desto besser. Schöne Erfahrungen, die Du da mit uns teilst!

      Deine Idee mit der Bahn ist klasse. Der Weg ist das Ziel und das Reisen an sich ist dann bestimmt viel intensiver. Du siehst die Strecke, die du zurücklegst. Die Vegetation, Mitreisende, Bahnhöfe… das alles verändert sich bestimmt auch, je weiter man nach Süden kommt. Eindrücke, die bleiben.
      Als ich klein war, sind wir mal mit dem Auto nach Spanien gefahren. Ich hab es total genossen, jede Station auf der Karte zu verfolgen und aus dem Fenster zu schaun. Der Weg war fast spannender als der gesamte Urlaub…. :-D

      Und zu Deinem Urlaub @home: Diesen Sommer sind wir auch Touristen im Ruhrgebiet/Kreis Mettmann. Nach einigen Radtouren und Museumsbesuchen ist nun schon die 3. Etappe vom Neanderlandsteig, einem Wanderweg rund um Mettmann, dran. Wir fahren auch immer mit den ÖVP – ein echtes Erlebnis, wenn man sonst gar nicht darauf angewiesen ist. Jack meinte letzte Woche, sobald er im Linien-Bus sitzt, fühlt sich das an wie Urlaub. Verrückt, aber so einfach ist das manchmal ;-)
      Wir haben sogar in einem kleinen Dorf schon “Einheimische” kennengelernt, die uns ausgefragt haben, was wir denn machen. Und prompt waren wir am Abend zu einer Party bei denen eingeladen…

      LG Emi

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