Nachhaltiges Ausmisten: Warum einfach wegwerfen doof ist

© picture alliance / Cultura

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Ausmisten: Ab in die Tonne! Aus den Augen aus dem Sinn! Weg mit dem Dreck!

So einfach geht das mit dem Ausmisten…

…nicht.

Ausmisten und ab in die Mülltonne?

Viele Menschen, wie auch wir früher, versuchen sich ihr Leben schön zu kaufen. Man belohnt sich für eine Leistung, für die harte Arbeit der letzten Wochen, weil es einem gerade schlecht geht oder einfach, weil man es kann.

Unbedacht kaufen wir weiter und weiter ohne zu bemerken, dass wir eigentlich bereits ausreichend besitzen. Auch das nächste Kleidungsstück, Deko-Objekt oder technische Equipment wird uns nicht glücklicher machen.

Oft wächst uns dieser Besitz einfach über den Kopf, es ist zu viel von allem und der Kram steht uns im Weg.

Die Lösung ist ganz einfach: Pack in die Mülltonne was geht und schon bist du frei.

Na? Fühlt sich mies an dieser Gedanke, oder?

Abgesehen davon, dass du Dinge entsorgst, die eventuell noch einen Geldwert haben, hast du irgendwann einmal selbst deinen erarbeiteten Lohn dafür ausgegeben. Noch weiter gedacht begründet sich das miese Gefühl daraus, dass das Wegschmeißen von einwandfrei funktionierenden, nicht beschädigten  und noch nutzbaren Dingen ein klares Beispiel für Verschwendung ist. Das ist nicht-nachhaltiges Ausmisten.
“Wir leben halt in einer Wegwerfgesellschaft”, mag man sich nun rechtfertigen. Doch bedeutet eine “Wegwerfgesellschaft” gleichzeitig eine Verschwendungsgesellschaft? Sind wir prinzipiell Verschwender? Bist du einer?

Und überhaupt: Hat nicht jeder Konsument beim Kauf eine Verantwortung dafür, was mit dem Erworbenen nach der Nutzung geschieht?

Deluxe-Faktoren beim nachhaltigen Ausmisten?

Definitiv tragen Jack und ich keinen Heiligenschein, was unser Leben in der Wegwerfgesellschaft angeht. Dennoch haben wir festgestellt, das sich aus dem Ausmisten und gleichzeitiger Übernahme von Verantwortung für den loszuwerdenden Gegenstand eine win-win-Situation ergibt.
Win-win, weil auch etwas für dich dabei herausspringt. Wir nennen dieses “Etwas” den Deluxe-Faktor.
Deluxe-Faktoren beim nachhaltigen Ausmisten, also Verkaufen, Tauschen, Verschenken sind die folgenden:

  1. Der Gegenstand wird weitergenutzt, Ressourcen somit geschont.
  2. Dadurch ist dein/unser Gewissen nicht allzu sehr belastet von unserer Dekadenz.
  3. Du erhältst Geld, was dich näher ans Erreichen deiner Träume bringt, sofern diese durch Geld zu erreichen sind.
  4. Du machst jemanden eine Freude, wenn du Dinge verschenkst.
  5. Du machst manchmal jemandem oder sogar dir selbst eine Freude, wenn du etwas verkaufst. Dies, weil sich entweder der Käufer freut etwas besonders Seltenes oder Günstiges ergattert zu haben oder einfach, weil man sich sympathisch ist, ein nettes Gespräch entsteht und du dich für den Käufer mitfreust.
  6. Der Nachteil, dass es manchmal dauert Dinge nachhaltig loszuwerden, birgt gleichzeitig einen Vorteil: viele kleine Downgrade-Erlebnisse, die einzeln immer wieder eine Portion Erleichterung mit sich bringen, wenn ein Gegenstand deinen Besitz verlässt. Warum ist das ein Vorteil? Es ist vergleichbar mit Glückserlebnissen: viele kleine bringen dir mehr als ein großes.
  7. Du wächst persönlich.
    Wenn man über längere Zeit, Dinge gebraucht verkauft, kann man seine Persönlichkeit um einiges herausfordern. Offen gesagt, es hat nicht immer Spaß gemacht und es hat auch einige Zeit und Nerven gekostet, aber folgende Dinge haben wir während der zwei Jahre des Downgradens gelernt:
  • Das Internet mit seiner Anonymität bringt manchmal die dunkle und vor allem unhöfliche Seite des Menschen hervor. Du lernst solche Gestalten nicht persönlich zu nehmen. Am besten hilft eine gewisse Ironie auf unverschämte Preisanfragen, Mails oder (beim Autoverkauf) Schlechtmache.
  • Nicht auf alle Anfragen, muss man reagieren: Du bekommst ein “dickeres Fell”.
  • Gelassenheit: Du musst nichts verschenken, irgendwann findet sich ein Interessent.
  • Der Umgang mit persönlichen Daten wird dir bewusster, denn nicht jeder ist am angebotenen Artikel interessiert. Vielmehr gibt es Datensammler, die auf diesem Wege ziemlich einfach an persönliche Daten wie Adresse, Handynummer und vor allem deine Kontonummer kommen. Daher geben wir unsere Daten erst heraus, sobald wir auch die eines vermeintlichen Interessenten erhalten haben.

Unsere Vorliebe für nachhaltiges Ausmisten hat auch etwas mit der Neuentdeckten Wertschätzung dem gegenüber zu tun, was ein Produkt wirklich kostet. Das ist folglich nicht nur das Geld, welches wir bezahlt haben, sondern auch, die bei der Produktion beanspruchten natürlichen Ressourcen, die verwendete “graue” Energie, die Arbeitsleitungen von Tier und Mensch und letztendlich noch die Entsorgungskosten in Form von Emissionen, etc.

Wie gesagt, der Heiligenschein für Jack und Emi ist nicht in Sicht. Wir wollen nur einfach ein Bisschen weniger zu all dem beitragen, indem wir zukünftig bewusster Kaufen und ebenso bewusster Ausmisten.

Wege, Dinge nachhaltig zu reduzieren

Es gibt viele Wege Gegenstände loszuwerden, nachhaltig sind jedoch nicht alle. So richtig deluxe fühlt es sich für uns nur an, wenn wir nicht verschwenderisch und dekadent alles zur Müllverbrennung geben. Die Gegenstände sollen weiter genutzt werden, auch wenn wir persönlich sie nicht mehr brauchen.

Wie ist das bei dir mit dem Ausmisten? Siehst du es anders als wir? Hast du dir früher oder bisher ebenfalls keine Gedanken über Herkunft und Verbleib der gekauften/weggeworfenen Dinge gemacht?

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Tanja Heller

    Ja, Dinge zu verschenken ist ein tolles Gefühl! Wenn sie wirklich gebraucht werden. So hab ich ja viele Ikea Expedit-Schränke an Studenten weitergegeben. Schön aber unpraktisch: Staubmagneten.

    Wenn Dinge nicht gebraucht werden, sehe ich das als Symptom-Verschiebung sie weiterzugeben. Ich nehme den “Müll” der Anderen nicht mehr an, die nix wegwerfen können. Das gibt es nämlich auch. Umgekehrt will ich niemanden mit meinen Sachen belästigen und schmeiße Dinge nach wie vor gerne in die Tonne. Das zahle ich ja auch. Zählt das als Argument? Wahrscheinlich nicht :) .

    Ich schätze meinen Besitz jetzt anders: Ich habe ein privates Geodreieck. Das bleibt auch genau in dieser kleinen Schublade liegen. Hier muss man nämlich alles verteidigen :) . Wie lange die Entsorgung von Überflüssigem dauert und wie oft ich in diesem Jahr das Wort “Verantwortung” oder “Konsequenz” gedacht habe … Zeitfresser, die ich nicht mehr haben will! Neuerdings denke ich nur noch “Tabula Rasa” (Daniel). Weil ich diesen Monat fertig werde. Noch ein Zimmer! Jeden Tag eine Sache. Speicher und Keller sind schon frei! Es fühlt sich sehr sehr gut an. Dann mache ich eine Liste, was ich überhaupt nur besitzen will und hoffe, es wird nicht mehr in den nächsten Jahren.

    PS: Wie viele Nudelpakete sind noch da, Emi?

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    1. Emi Artikelautor

      Du bist ja immer eher resolut, Tanja. ;-)

      Tabula rasa würde ich auch gerne machen, aber, wie oben beschrieben, wir fühlen uns verantwortlich für die Dinge. Dabei ist so ein leerer Keller super als “Sperrlager”. Einfach alles Ausgemistete hinein packen und von dort aus loswerden, so gehen uns die Dinge nicht auf den Keks.

      Dadurch, dass es uns Mühe bereitet und Zeit kostet den Kram verantwortungsvoll loszuwerden, schleppen wir auch nichts mehr an. Werbegeschenke, KlimmBimm und wie du schon erwähnt hast, der “Müll” anderer, kommt nicht mehr ins Haus. Basta!

      Einen schönen Plan hast du da. Eine Liste mit Dingen, die man überhaupt nur besitzen möchte… das macht das Projekt ebenfalls schön übersichtlich. Bin gespannt auf wie viel du kommst.

      LG EMi

      PS: Oh nein, die Nudelpakete… never ending story. Vielleicht sollte ich dem Mann ein Kontingent vorgeben… :-D

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  2. Nikuscha

    Ich gehöre ja persönlich zu dem Typ Mensch, der sich, einmal etwas fest vorgenommen, sofort aufspringen muss und beherzt zur Tat schreitet. Unaufhörlich. Bis auch das letzte Bisschen erledigt ist.
    Das war einmal, denn auch ich habe eingesehen, dass selbst das Entsorgen mit Köpfchen passieren muss, sonst passieren vergleichbare Fehler wie bei überstürzten Einkäufen. Sperrmüll ist nicht eben doch nicht die Lösung, wenn man erst am Anfang steht.
    Diese Geduld und das dazugehörige Durchhaltevermögen musste ich erst erlernen, aber das ist – wie von euch beschrieben – ein Deluxe-Faktor, für den ich bereit bin, mit sperrigen Kisten im Flur und Keller zu zahlen.
    Und einen Lernfaktor hat die ganze Sache auch noch – wenn ich mit der “Last” (unzählige Kochutensielien, viele Klamotten, irgendwelche Plastikeimer, usw.) immer wieder konfrontiert werde, habe ich noch weniger Lust, neues Zeug zu kaufen.

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    1. Emi Artikelautor

      Dann bist du also auch ein Zielerreicher, koste es, was es wolle… Geht bei mir auch so: gnadenlos, geduldlos, am besten gestern. :-(

      Deshalb ging mir das Downgraden manchmal ebenfalls einfach nicht schnell genug. Jack war da eher der Besonnenere und hat mich gebremst. Geduld zu lernen ist wohl auch ein Prozess und diese Geduld bringt nachhaltiges Downgraden, wie du ja auch bereits geschrieben hast. Ein Teil geht nach dem anderen. Du kannst und brauchst nichts zu tun, um es zu beschleunigen, außer darauf zu vertrauen, dass es funktioniert – wie im richtigen Leben. Es hat ja schließlich auch seine Zeit gedauert all diese Dinge anzuschleppen, die jetzt unser Leben “zumüllen”.

      Musste übrigens ein wenig schmunzeln. :-)
      Der von dir erwähnte Lernfaktor hört sich von außen bestimmt ein wenig wie eine Selbsterziehungmaßnahme an. Das ist die Unlust auf neuen Kram, Geschenke oder Angebotsschnäppchen aber absolut nicht.

      Schon oft war unser erste Gedanke, wenn man uns beschenken wollte: “Oh Gott, bitte, wir möchten nicht noch mehr haben. Das macht doch nur noch Arbeit und hinterher müssen wir wieder schauen, wie wir es los werden!”
      Ohne dass man sich selbst erziehen möchte oder sich ein Ziel gesetzt hat, die Lust auf Neues schwindet automatisch, während der Anteil an Sinn für das Wesentliche steigt. Ein wirklich schöner und entlastender Effekt.

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      1. Nikuscha

        Haha, ja als Selbsterziehung sehe ich das sogar manchmal.
        Ich wurde mit harter Hand von “Mütterchen Konsum” erzogen und muss mich manchmal richtig gegen ihre Grundsätze auflehnen – wie ein bockiges Kind!
        (Manchmal klingen die Alarmglocken bei “SALE” immer noch.)
        Aber wie du bereits sagst, die Lust auf Neues schwindet mit der Zeit auch von selbst, vor allem wenn man für sich erkannt hat, wie schön es ist, wenn auf einmal Wesentliches im Vordergrund steht.

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        1. Emi Artikelautor

          Oh ja, SALE ruft auch bei mir den Jagdinstinkt hervor… Scheint anerzogen.
          Aber warum Plunder “jagen”, wenn man grade so erleichtert ist den übrigen Kram loszuwerden? :-D

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  3. Tanja Heller

    AAAA!
    Mein Keller WAR leer. 3 Tage. Hab heute Nacht noch einen Schrank abgebaut. Ja, ich bin rigoros. Das soll auch so bleiben! Der ganze Kram macht mich nämlich zunehmend aggressiv. Und soll dann auch schnell weg. Hab keinen Mann zur Beruhigung wie du, Emi.

    Schöner Nebeneffekt: Hab mich gerade für ein Coaching angemeldet. Andere Baustelle. Neues wagen. Mit Hausaufgaben. Haha! Das wird meiner Tochter gefallen!

    Mir bedeutet der Austausch mit EUCH Bloggern wirklich viel! Motiviert. Und macht sehr viel Spaß!

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    1. Emi Artikelautor

      Wie nur 3 Tage? Wer oder was hat das geändert?!

      Ui ui ui, dein AAAAA kommt mir so vertraut vor. Aufräumen, raus, weg damit, sofort. Hab auch schon viel von dir gelernt: z.B. öfter mal einfach auf den Punkt bringen, reicht vollkommen aus ;-)

      Tanja, was ist eigentlich dein Ziel, wenn alles weg ist und du deine Liste fertig hast?

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  4. Tanja Heller

    Mein Ziel ist, mich zwar mit wenigen, aber den für mich besten Dingen zu umgeben. Deshalb will ich noch einen anderen Küchenschrank. Und musste Chaos stiften. Hier war eh zu aufgeräumt. Bestimmt nicht gut. :)

    Ich hoffe, mit der Liste den Konsumpf zu begrenzen. Und lieber Ziele zu verfolgen, die mich wirklich weiter bringen. Seit ein paar Wochen mache ich wieder die Rückschulung als Linkshänderin. Diesmal ohne Druck. Bisher hatte noch keinen Drehschwindel. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Gefühl dabei: “Ich komme endlich nach Hause”. Das kann ich nicht kaufen. Trotzdem löst sich bald meine Jeans auf. Hoffentlich nicht unterwegs. :)

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    1. Emi Artikelautor

      Krass, das Gefühl “Ich komme endlich nach Hause” haben Jack und ich auch!

      Endlich, ohne Ablenkung durch Konsum und Besitz, mit mehr Zeit und Sinn für uns, kommen wir “nach Hause” also bei uns an.

      Danke, dass du das noch einmal auf diese Weise in Worte gefasst hast. :-)

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  5. Andrea

    Yep, einiges kommt mir sehr bekannt vor. Habe auch regelmässig meinen Rappel und könnte die halbe Bude leerräumen. An sich hätte ich schon Lust, mal wieder einen Trödelverkauf zu starten, bloss ist mir oft selbst die Vorbereitung dafür zu viel: Platz reservieren, Pfand zahlen, schwer bepackt in aller Herrgottsfrühe losziehen und mich aufbauen,… wenns dann läuft ist alles gut, bloss werd ich in der Regel nie alles los, beutet wieder einpacken, wieder schleppen wieder lagern und von vorn-Uff. Das geht mir oft nicht schnell und entspannt genug. Im Müll landet aber nur, was wirklich kaputt, grottenhässlich oder uralt ist und eigentlich nirgends wieder auftauchen sollte, es gibt genug von diesn Alträuchersachen in jedem Secondhandladen und anderen Sammellagern -war zuletzt noch beim SKM und dachte: Wow, ich könnt mich hier aus dem Stand so einrichten wie damals meine Oma-gruselig. Aber auch gut, dass man noch gebrauchte Möel und hausrat für kleines Geld bekommt, wenn mans eh nicht hat.
    Ich schleppe also auch mal meinen Kram dorthin und bins einfach nur los, die Freiheit und Leere daheim sind mir dann Lohn genug. Schon irre, wie schwierig es ist, seine Sachen loszuwerden, seit ich das gemerkt hab, überleg ich mir immer sehr genau beim Konsumieren, ob ich das Teil wirklich brauche oder nicht. Einen doppelten Haushalt auszudünnen ist tatsächlich auch eine Herausforderung für sich, aber da etliche unserer Möbel definitiv drüber warn (Sperrmüll), und wir überdies auch eher bescheiden ausgestattet waren, hielt sich der Aufwand in Grenzen. Zwar hätte ich schon manchmal Lust, die Sammlungen meiner Freundes zu entsorgen, aber das darf man ja nicht, also kann ich mich nur um meinen Kram kümmern und ihn gelegentlich fragen, ob er nicht auch mal was ausmisten will. Interessant finde ich auch die Feststellung, das jeder von uns allein nochmal anders leben und sich einrichten würde, denn zusammen.
    Allerdings gibt es da nun auch wieder so einen Stolperstein: ich möchte ien e Autobiografie schreieben und dazu sind ne Menge papiere und Andenken an frühere zeiten ehr hilfreich, hätte ich das nicht schon länger im Hinterkopf gehabt, wäre etliches mehr längst raugeflogen. Jetzt, wo ich den ganzen Kram sicte, bereue ich die eine oder andere Ausmistaktion, bei der ich mich von Teilen losgesagt hbe, die mie jetzt weiterhelfen würden, die Vergangenheit wiederauferstehen zu lassen. Aber was solls, dann wird eben ausgelassen oder erfunden. In diesm Sinne, weiterhin viel Vergnügen beim Downgraden und Energietanken. ;-)

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