Perfektionismus durch minimalistisches Leben?!?

Perfektion

 

Ich habe mir in den vergangenen Wochen viele Gedanken über Perfektionismus, also das Anstreben von Perfektion in übertriebenem Maße, gemacht.

In diverser Literatur findet man Abhandlungen darüber wie „schädlich“ Perfektionismus ist und wie sehr man sich dadurch in einen Teufelskreis verstricken kann.

 

Weniger ist auch hier mehr:

…mehr tun, weniger denken…
…mehr abschließen, weniger optimieren…
…mit 20% Einsatz bereits 80% des Ergebnisses erreichen (Pareto-Prinzip)…
erledigt ist besser als perfekt

Gelesenen haben wir so etwas wahrscheinlich alle schon einmal. Fazit: Perfektionismus ist kontraproduktiv.

Ist das Streben nach Perfektion schlecht?

Ist es nun gut oder hinderlich, wenn man mehr Hingabe und Anspruch in zu erledigende Dinge steckt und dafür auch gerne mehr Zeit investiert?

Es ist doch nicht verwerflich, eine Aufgabe best möglich abschließen zu wollen, wenn Dir diese persönlich viel bedeutet. Dieser Anspruch ist vielmehr eine positive Eigenschaft, mit welcher Du Deine Anerkennung und Deinen Respekt ausdrückst. Es ist Dir persönlich wichtig, dass ein Dich zufrieden stellendes Ergebnis erreicht wird und Dir wohlmöglich der Weg dorthin ein erfüllendes Gefühl bereitet.

Eigentlich ist es genau das, wonach Jack und ich immer suchen:
Reduziere, die unnötigen Dinge und lege Fokus auf solche, die Dir persönlich wichtig sind – gelebter Minimalismus.

Wieso Du Dir dann doch irgendwie selbst im Weg stehst…

Das Problem liegt wohl in der Definition von „perfekt“ und dem, was „übertrieben perfekt“ eigentlich bedeutet.

Zunächst: ich kann versuchen etwas perfekt zu machen, übertrieben perfekt gibt es aber gar nicht!
Das ist vergleichbar zu dem Versuch „der Einzige“ zu steigern. Es gibt nicht 2 oder mehr Einzige, deshalb gibt es auch nichts, was perfekter ist als perfekt.

Um eine Aufgabe in Perfektion abzuschließen, musst Du das bestmögliche Ergebnis erreichen. Dieses Ergebnis muss sich eindeutig definieren lassen, damit Du es als perfekt bezeichnen kannst.
Einfach anwendbar ist das für eine mathematische Berechnung: 1+1=2
–> Habe ich perfekt gelöst! ;-)

Was ist eigentlich DEIN Perfekt?

Schwieriger wird die Definition für perfekt bei einer komplexeren Aufgabe:

  • Erstelle einen Verfahrensplan zur Ausführung von X!
  • Schreibe einen Blogartikel, der Deine persönlichen Ansichten ausdrückt!
  • Male ein Selbstportrait!
  • Style Dich für Dein erstes Date! …..etc.

Erkennst Du die Schwierigkeit?
„Perfekt existiert für viele Dinge gar nicht. „Perfekt liegt im Auge des Betrachters und das zu einem fixen Zeitpunkt.

Was Du oder ich heute für perfekt erachten, kann morgen mit einer anderen Stimmung, in einem anderen Kontext oder einer besseren Konzentration als absolut verbesserungswürdig eingeschätzt werden.

Demnach ist Perfektion nur in den wenigsten Disziplinen zu erreichen und somit für die meisten Aufgaben eine Illusion. Das sollte Dir bei der Erledigung Deiner nächsten Pflicht bewusst sein. ;-)

In den übrigen Zusammenhängen tritt Perfektion genau so auf wie das Glück.
Sie erscheint Dir nur durch Zufall, sie ist nicht planbar oder durch Leistung zu erreichen. Und vielleicht bist Du in dem Moment auch die einzige Person, die diese Perfektion empfindet…

…in einem kleinen Augenblick
… in der Unperfektheit eines Menschen
… im ungeplanten kreativen Schaffen
… in dem Gefühl, was Dir plötzlich sagt: So ist es perfekt! Meine Aufgabe ist fertig! oder: Der Moment genau jetzt und hier könnte nicht besser sein!

Perfektionismus adé

Fazit dieser Überlegung:
Perfektion liegt im Auge des Betrachters und ist nicht plan- oder erreichbar.

In diesem Sinne:
Lass Dich nicht mehr abhalten von Dingen, die Du tun, erleben oder erschaffen möchtest!
Fang an!
Jetzt!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Bine

    DANKE! Eine “perfekte” Reflexion ;-)
    Nein, im Ernst! Besser hätte es nicht ausgedrückt werden können. Genau so ist es, möchte ich sagen… Also vielen Dank für deine passenden Worte, sie sprechen mir dermaßen aus der Seele und ich werde sie sicher noch einige Male lesen :-) .
    Ich schreibe sehr selten Kommentare, aber dieser lag mir wirklich am Herzen. Deine Worte bringen eine Leichtigkeit mit, die sich mir mitten ins Herz gesetzt hat, denn das Streben nach Perfektion (auch das unbewusste) kann zuweilen zentnerschwer wiegen… was sich erst in solchen Momenten der Reflexion bemerkbar macht. Und plötzlich ist alles total klar! Schön! Ganz liebe Grüße
    Bine

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Bine, ich bin total überwältigt von Deinem Kommentar…

      Ich musste ihn mehrmals lesen und habe sogar eine Gänsehaut bekommen. Außerdem musste ich ein bißchen darüber nachdenken, wie eine perfekte Antwort zu so einem PERFEKTEN Kommentar aussehen sollte. ;-)

      Es freut mich einfach so sehr, dass das, was ich in Worten ausdrücken wollte, bei dir so viel ausgelöst hat und dir ebenso viel bedeutet wie mir selbst.

      Daher kurz und knapp: VIELEN 1000-DANK für Deine ehrlichen und für mich so wunderbaren Worte!!!! :-D

      Ganz liebe Grüße
      Emi

      Antworten
  2. derbeisstnicht

    Danke für Deinen neuen Blogeintrag. Ich lese Dich gern.

    Dennoch wirkt dein Blick auf den Perfektionismus merkwürdig distanziert auf mich. So, als gäbe es etwas, dass du nicht ansprechen willst.

    Der Wunsch keine Fehler machen zu wollen, die Brutstätte schlechthin für beruflichen Perfektionismus. Fehler sind nicht vermeidbar. Sie sind notwendig, das Fundament für Verbesserung. Gestatte Dir Fehler zu machen.
    Beruflich bist du fast ausschließlich mit Sachen konfrontiert, die andere haben wollen. Kunden, Chefs und Kollegen beurteilen wie gut oder schlecht etwas ist. Jetzt kannst Du natürlich den Fehler machen und Deinen Anspruch auf andere projizieren. In der Stille verharren und dir ausmalen, was der Empfänger wohl erwartet und wie das bestenfalls noch zu übertreffen ist. Planung im inneren Monolog. Sprenge diese Grenzen. Mach deinem Gegenüber das Geschenk der Frage. Hinterfrage die Beweggründe, die Emotionen, mache Erwartungen bildlich. Wenn Du etwas nicht verstehst, neue Fragen auftauchen, dann hinterfrage nochmals. Gekonnt Fragen stellen ist eine Stärke. Dinge verstehen zu wollen ein wohliger Antrieb.
    Lasse dein Gegenüber an der Entstehung teilhaben. Mache dein Vorgehen transparent. Feiere Meilensteine. Erlaube dir Unfertiges vorzustellen. Isoliere Dich nicht. Mache dich leitfähig.
    Die Ansprüche anderer fließen dann durch dich hindurch.

    Beruflichen Perfektionismus zu bekämpfen heißt also:

    Gestatte Dir Fehler zu machen.
    Mache Fragen zum Geschenk.
    Entwickle gemeinsam.

    Perfektionismus im Privaten heißt doch, du bist dein eigener Auftraggeber. Im besten Fall frei von äußeren Einflüssen, sind deine eigenen Ansprüche die Messgröße. Das Ergebnis muss Dir gefallen und nur Dir. Erwarte kein Verständnis oder gar den Beifall anderer. Tust Du etwas für Dich, bist frei davon anderen gefallen zu wollen, dann wird aus Perfektionismus Leidenschaft. Eine Leidenschaft, die dein Leben bereichert und die den Weg, den du gehst zum perfekten Weg für dich macht.

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Huhu Markus,

      schön von Dir zu hören! :-)

      Dein Kommentar hätte ja bereits ein eigenständiger Blogbeitrag sein können. Du hast Dir wohl auch schon einige Gedanken zum Perfektionismus gemacht… und ihn beruflich wie auch privat perfekt erfasst.

      So wie Du es beschreibst, scheint Perfektionismus beherrschbar zu werden, je bewusster man in einer Situation agieren kann.
      Also je weniger intuitive Reaktionen Dein Handeln leiten und je mehr Du selbst die Situation steuern kannst: Fragen, richtig verstehen, Schrittweise erreichen und absichern. Der Perfektionismus lässt sich so in eine sachliche und strukturierte Arbeitsweise umwandeln, bei der Deine Emotionen und persönlicher Anspruch nicht mehr die Hauptrolle spielen.
      Im Privaten ist Perfektionismus bei bewusstem Verständnis auch für Dich etwas Positives. Das was Du mit Leidenschaft beschreibst, ist für mich Hingabe. Es tut so gut sich einer persönlich wichtigen Aufgabe zu widmen, dass es doch eigentlich egal ist, wie lange es dauert bis man sie fertig stellt. Selbst wenn Du Dein ganzes Leben an etwas feilst und jedes Detail immer und immer wieder verfeinerst, solange es Dich erfüllt, kann doch nichts Schlechtes dabei sein.

      Hmm… über die Frage, ob ich etwas nicht ansprechen mag, habe ich einige Tage nachdenken müssen… also, bewusst habe ich kein Thema vermieden.
      Dennoch scheint es auch bei mir so zu sein, dass Perfektionismus eher dann auftritt, wenn etwas von außen bewertet wird. Es ist so sehr in unserer Erziehung und Gesellschaft verwurzelt, dass Leistungen individuelle Bewertungen mit sich bringen, dass das Streben nach Perfektion nahe liegt.

      Um den Cut zwischen sachlicher Zielerreichung und persönlicher Wertung wirklich hinzubekommen, muss man wohl nicht nur objektive Fragen zur Aufgabenstellung parat haben, sondern ebenso immer wieder sich selbst die Frage stellen:

      Warum sollte Erfolg bzw. Misserfolg in irgendeiner Weise Auswirkungen auf meinen persönlichen Wert haben?

      LG Emi

      Antworten

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