70% der Deutschen bewundern Downgrader/Minimalisten (Statussymbolstudie 2013)

→ 70 % bewundern Menschen, die keinen Wert auf materiellen Besitz legen
→ Das wichtigste Statussymbol ist nicht materiell
→ Deutliche Mehrheit möchte zur Wissens- / Bewusstseinselite gehören
→ Sättigungseffekt: Luxus ist im Mainstream der Gesellschaft angekommen

Im August 2013 veröffentlichte die Strategieagentur diffferent ihre Statussymbol-Studie. Daraufhin erscheinen Artikel in der Wirtschaftswoche, im Handelsblatt und  in der Welt am Sonntag.
Die sich aus den drei Quellen ergebenden Erkenntnisse habe ich im Folgenden zur Übersicht zusammen gefasst…

Platzierung der materiellen/immateriellen Statussymbole:

  1. “Zeit für sich selbst” 90 % der Befragten
  2. “ein unbefristeter Arbeitsvertrag” 85%
  3. “Persönliche Fitness” 84%
  4. “Eigenes Haus” 80% (das einzige materielle Statussymbol unter den 10 wichtigsten!)
  5. “richtig gut kochen können” 75%
  6. “mehrere Sprachen sprechen können” 73%”
  7. “Kinder haben” 72%
  8. “eine Ehe führen” 72%
  9. “stets über die Weltpolitik informiert sein” 66%
  10. “sich ehrenamtlich engagieren” 65%
  11. “einen großen Freundeskreis im echten Leben haben” 60%
  12. “Auszeiten vom Handy haben“ 45%

Materielle Statussymbole:

  1. Platz: Auto mit 48 %
  2. Platz: Computer, Tablet, Handy/ Smartphone 16,5%
  3. Platz: Mode 12%

Top Marken:

  1. Apple
  2. Audi
  3. Mercedes Benz

Diskrepanz zwischen gesellschaftlicher Wirklichkeit und persönlichen Wünschen:

  • 42% der Deutschen denken, nur mit Wohlstand das Ansehen seiner Mitmenschen sichern zu können.
  • 62 % sagen, gesellschaftlicher Status sei kaufbar
  • 70 % bewundern Menschen, die keinen Wert auf materiellen Besitz legen (Downgrader)

Deutliche Mehrheit möchte zur Wissens- / Bewusstseinselite gehören

64% Wissens-Elite
63% Bewusstseins-Elite
52% Macht-Elite
50% Leistungs-Elite
35% Geld-Elite
24% Lifestyle-Elite

Fazit der Studie:

  • Klassische Statussymbole haben ausgedient, denn sie sind im Mainstream der Gesellschaft angekommen.
  • Autoren der Studie meinen, dass sich die Mehrheit der Menschen vom klassischen Statuswahn verabschieden und lieber ihren persönlichen Idealen folgen möchte.
  • Die scheinbar gestiegene Bedeutung von Bewusstsein, Kompetenz und Leistung im Leben, zeichnet sich ein Trend zur immateriellen Unterscheidung ab, die heute bedeutsamer ist als die klassischen Statussymbole Geld und materieller Reichtum.
  • Als Basis für ein effektives Status-Markenmanagement empfiehlt diffferent, materielle Brücken zu immaterielle Statussymbolen zu schlagen.
  • Junge Menschen (18-29 Jahre) weichen ab von diesen Erkenntnissen. Sie sind hin- und hergerissen zwischen den Bedürfnissen nach Sicherheit bzw. Tradition und dem Streben nach Anerkennung und Konsum. Für die klassischen Statusbotschaften sind Jugendliche relativ offen während mit steigendem Alter ein Ernüchterungs- oder Saturierungseffekt nicht ausgeschlossen ist.

Was ist Dir wichtig? Spiegeln die Ergebnisse dieser Studie Deine Meinung wieder?

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Frau DingDong

    Sehr interessant! Danke für die Info und Links.
    Ich hätte gedacht, dass der Computer bzw. das Smartphone das Auto als Statussymbol mittlerweile überholt hätten…

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Immer gerne!

      Vielleicht ist das Auto so ein “tolles” Statussymbol, weil man es sich vor das Haus stellen und darin vorfahren kann?

      Wäre ja mal interessant zu wissen, ob sich Statussymbole demographisch unterscheiden. Also, ob ein Statussymbol unterschiedlich bewertet wird, je nachdem, ob man in einer Großstadt wohnt (wo man viel mehr mit Bus- und Bahn fährt/ weniger mit dem Auto) oder in einer Vor- bzw. Kleinstadt…

      Antworten
  2. Ute Mercado

    Freut mich eine weitere gute deutsche Seite zu dem Thema Minimalismus zu finden. Habe Emi’s Kommentar zu http://www.einfachbewusst.de/2013/04/100-minimalismus-zitate/#comment-5584 gelesen und kann dir nachfuehlen in bezug auf mangelndes Verstaendnis im Familien- und Bekanntenkreis. Das war auch der Grund dass ich meinen Blog http://minimalismuswarum.wordpress.com/ vor ein paar Wochen in die Welt gesetzt habe. Ich dachte erst ich stehe alleine da mit dem Problem. Tut gut zu wissen dass meine Umkreis nicht der einzige mit Unverstaendnis ist.

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Hallo Ute, erstmal ein herzliches Willkommen!
      Wir sind auch erst einen Monat dabei ;-)
      Und es ist wirklich verwunderlich, dass man im Internet so viele Gleichgesinnte findet, obwohl im Bekanntenkreis die eigene Begeisterung nicht nachvollzogen werden kann.
      Ich schau gleich mal auf Deiner Seite vorbei!
      Liebe Grüße
      Emi

      Antworten
  3. Mark Ritter

    Ein Großteil der Menschen bewundert also andere Menschen, die sich nicht an materielle Dinge binden. Das fand ich besonders überraschend. Da ist dann aber noch eine große Diskrepanz zwischen “ich wäre gerne” und “ich bin”. Aber gut, für irgendwas müssen unsere blog’s ja gut sein ;-) . Endlich gehöre ich als Minimalist auch mal zu einer Elite, die bewundert wird… wo ist mein Kalender und der rote Stift nur wieder hin??? Einen schönen Gruß, Mark
    (Und danke für den Artikel).

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Die von Dir angesprochene Diskrepanz ist total paradox!
      Auf der einen Seite bewundert “man”, auf der anderen denken mit 62% fast genauso viele Befragte, dass man sich Status in Deutschland erkaufen kann. :-(

      Stellt sich die Frage: Ist “Bewunderung” gleichbedeutend mit “ich wäre gern”?
      Scheinbar hat das “ich bin” mit Mut zu tun, weil viele denken, man könnte etwas verlieren… Und schwupps bist Du als Minimalist der Held! ;-)

      Vielleicht ist der Stift ja in der Kramschublade?!?
      Viele Grüße
      Emi

      Antworten
  4. Caro

    Jetzt habe ich mir den Beitrag schon mehrmals angesehen und eben weiterempfohlen. Mich faszinieren die 70 % Bewunderer (und ihre Gründe für’s Anhäufen von unnötigem Besitz) immer noch. Ob sie es selbst begründen können, warum sie nicht minimalistischer leben (wollen)? Bewunderung heißt für mich, dass sie es irgendwie nachvollziehen oder ahnen können, dass materielle Dinge nur ein Scheinglück darstellen. Hmmm. Ich denk noch ein bisschen nach. :)
    Liebe Grüße,
    Caro

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Ein schöner Gedanke, dass viele Menschen innerlich wissen, dass das Streben nach Statussymbolen nur “Scheinglück” bedeutet. :-)

      Richtig erklären können die Autoren der Studie das scheinbar auch nicht. In der Präsentation stellen sie fest “Status ist käuflich!” und folgern aus den 70% Bewunderern “Doch das haben viele Deutsche satt”, weshalb die Bildungselite neues Differenzierungsmerkmal werden könne.
      Im Konsumklima-Index spiegelt sich das auf jeden Fall nicht wieder ;-)

      Vielleicht schlummern noch einige Minimalisten in Deutschland, die nach und nach aufwachen…
      Liebe Grüße
      Emi

      Antworten
  5. Tanja Heller

    Hi Emi,

    schön dein Blog. Erst dachte ich: Jugendzeitschrift? Und hab weitergeklickt. Hab’s nicht verstanden. Nachdem ich die schwierige Matheaufgabe geschafft hab, hier meine Vermutung: Bewunderung ja, wenn jemand macht, was die anderen sich nicht trauen. Wie aussteigen und im Ausland leben. Wenn jemand Marken von seinen Klamotten reißt, kein Auto fährt, kein Prollurlaub macht, Plastik aussortiert, wird er nicht bewundert. Das ist zu viel Konfrontation und Hinterfragen des eigenen Verhaltens. Oder zu exotisch. Ich meine, jemand zeigt mir sein teuer erspartes Auto und ich zeige keine Begeisterung, sondern sage: “Brauche ich nicht. Wieso jetzt ein Auto? Ging doch auch lange ohne.” Das will niemand hören. So meine Erfahrung. LG von Tanja

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Hey Tanja,
      hehe, mag´s gern gemütlich deshalb das Holz… und die Matheaufgabe, weil ich selber der absolute Captcha-Noop bin. 2-malige Eingabe ist da fast schon die Regel :-(

      Danke, dass Du von Deinen Erfahrungen schreibst. Hört sich so an, als wolle niemand belehrt werden. Ich kenn das als jahrelanger Vegetarier. Das einfache Statement: “Ich esse klein Fleisch”, hat viele schon in die Abwehrhaltung getrieben. Indirekte Kritik, dadurch, dass Du einfach DU SELBST bist, scheint wirklich viel Konfrontation zu sein.

      Meinst Du, die in der Studie festgestellte Bewunderung findet nur bezogen auf das Allgemeine statt?
      Nach dem Motto: “Jepp, keinen Wert auf materielles zu legen, ist eine tolle, ehrenwerte Eigenschaft. Vor allem, wenn man so mutig ist, alles loszulassen, zu reisen und einen ganz anderen Lebensstil zu pflegen. Das bewundere ich.”

      Wenn es dann konkret um die bewertende Person geht, wie in Deinem Beispiel mit dem Auto, möchte der stolze Autobesitzer selbst bewundert werden. Er hat sich mehr Status versprochen, auch bei Dir. (62% denken ja scheinbar, sie könnten sich Status, also Respekt, Ansehen und Bewunderung, kaufen…) Schließlich ist ER jemand, der Wert auf materielles legt. Und da kommst Du einfach so daher und bejubelst ihn nicht wegen seiner neuen Errungenschaft… BÄÄM! ;-)
      LG Emi

      Antworten
  6. Frau Simpel

    Ein spannender Artikel! Danke für das Recherchieren.
    Zwei Dinge irritieren mich:
    1.”Downgrader”soooo ein schweres Wort für ein leichter Leben wollen. Ich weiß, ihr habt euch das nicht ausgedacht. Alles braucht wahrscheinlich einen Namen, damit es fassbar wird. Ich stell mir gerade vor, wie ich es Bekannten erzähle, denen ich erklären möchte, wie ich mein Leben lebe.
    und 2.
    “Deutliche Mehrheit möchte zur Wissens- / Bewusstseinselite gehören

    64% Wissens-Elite
    63% Bewusstseins-Elite
    52% Macht-Elite
    50% Leistungs-Elite
    35% Geld-Elite
    24% Lifestyle-Elite”
    Wieder dieses Phänomen: zu etwas dazugehören wollen. Definieren wir Menschen uns heute nur noch über eine Gruppe, der wir dazugehören wollen?
    Abgesehen davon, dass ich dieses Wort ” Elite” grauslich finde. Ich möchte nicht elitär sein. Ich möchte MEIN Leben leben, ohne dies in Bezug zu einer Vergleichsnorm zu setzen.
    Irgendwie stimmt es wohl, was Watzlawick schrieb: ” Sprache schafft Wirklichkeit”
    Ich denke wohl noch eine Weile darüber nach. :)
    In Herzlichkeit Frau Simpel

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Hallo Frau Simpel,
      doch… wir haben uns das schwere Wort ausgedacht… ;-)
      Wir kommen ursprünglich aus der IT-Branche und da “downgraded” man… Fand “Minimalist” zu krass, um auszudrücken, dass man Dinge, Verpflichtungen und Komplexität des Lebens reduziert. Aber ist ja auch egal, in welche Schublade man sich selber steckt, Hauptsache wir meinen alle das selbe unbeschreiblich entlastende und befreiende Gefühl beim Loslassen und Reduzieren.

      Ups, da hab ich schon wieder in Schubladen gesteckt. Ist echt komisch, dass der Mensch, wie Du mit Deinem Zitat sehr passend feststellst, immer wieder versucht, Dinge zu beschreiben und zu kategorisieren. Sprache schafft die Greifbarkeit des Unfassbaren…
      Vielleicht sollten wir beginnen, nicht Schubladen zu kategorisieren, sondern in eine Art Baukasten-System?
      So könntest Du dann das ICH aus verschiedensten Facetten des Baukastens zusammenfügen. Ständig fügen sich neue Bausteine hinzu oder werden entfernt, weil sie einfach nicht mehr passen. Wie ein sich immer wandelnder Prozess…

      Jetzt hat Emi wieder einen Knoten im Kopf… nicht simpel :-)
      Liebe Grüße!

      Antworten
  7. Frau Simpel

    ups… jetzt hatte ich so einen langen Text geschrieben und nu isser weg.
    ich kann deine Herleitung verstehen, so wie du sie beschreibst, für euer Wort. In meinem Bereich würde man von Komplexitätsreduktion sprechen. Noch schwerer ;)
    Egal wie, du hast Recht, Menschen müssen sich verständigen und sich darüber austauschen, was sie damit meinen.
    Interessant finde ich die Sprachgeschichte dennoch. Es gibt eine Initative, die aufruft eine einfache Sprache zu verwenden, um Menschen mit einer Lernbehinderung besser am Leben teilhaben zu lassen. Hier geht es vor allem darum, einfache Sätze zu formulieren und in einer aktiven Sprache zu sprechen.
    Keiner hat je darüber nachgedacht, was Sprache mit Entschleunigung zu tun hat.
    Ein Beispiel.Was verändert sich für dich in deinem Körper, in deinem Fühlen ?
    ” ich werde jetzt noch schnell zum Bäcker gehen und Brötchen holen.” versus einfachere Sprache: ” ich geh jetzt zum Bäcker und kaufe Brötchen.”
    Man kann sich selbst beobachten. Einen Tag lang. Ein spannendes Experiment.
    vlt. löst ja das den Knoten im Kopf, den ich nicht beabsichtigt habe.
    sei lieb gegrüßt :)

    Antworten
    1. Emi Artikelautor

      Interessante Gedanken, die Du Dir machst. Man neigt wirklich dazu, viele Füllwörter, Konjunktiv, Passiv, komplexe Sätze, etc. zu verwenden. Was widerrum zu einer Komplexitätsmaximierung ;-) der Sprache führt.

      “Entschleunigung der Sprache” erster Selbstversuch:
      Mir ist aufgefallen, dass kurze, gegenwärtige Sätze schneller zu Aktionismus führen. Vom Fühlen her, sind sie viel klarer und gegenwärtiger.
      ”ich werde jetzt noch schnell zum Bäcker gehen und Brötchen holen”
      –> findet in der Zukunft statt, bedeutet “irgendwann, nicht jetzt”, obwohl “jetzt” im Satz steht, sprichst Du von der Zukunft, also ist es eine Aufgabe
      “ich geh jetzt zum Bäcker und kaufe Brötchen.”
      –> fühlt sich so an, als wär ich schon da!
      Ich beobachte mal weiter…

      Knoten ist übrigens wieder weg, aber ich danke Dir dafür! Finde Gedanken-Knoten-entwirren sehr bereichernd :-)
      Liebe Grüße zurück!

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    1. Emi Artikelautor

      Nach einiger Zeit: Hier der Gedankenoutput und die Beobachtungen…
      Minimalismus im Kopf: Gedankenwirrwarr adé – ein Selbstexperiment

      Antworten
  8. thaniell

    Zeit für sich haben und fester Arbeitsvertrag sind im Endeffekt ziemlich Material, bedeutet ersteres doch “die Möglichkeit haben weniger zu arbeiten” sprich genug Geld um den Aufwand dafür zu reduzieren; anstatt weiterer Luxusgüter will man zumindest das eigene Level halten können; gleichermaßen schafft ein fester Arbeitsvertrag finanzielle Sicherheit – auch ein materieller Luxus.
    Einzig sind es keine standardisierten fixen materiellen Wünsche über die sich alle einig sind wie “ein Auto”. Ab davon würde ich das auch umdrehen: für die einen sind die traditionellen Luxusgüter mittlerweile selbstverständlich für die anderen unerreichbar… Schere und so

    Antworten
  9. Emi Artikelautor

    Crazy, oder?

    Streben nach Sicherheit und etwas Statischem ist … nachvollziehbar.
    Doch wie viel Sicherheit braucht der Mensch? Gibt es überhaupt ein Höchstmaß?

    Streben nach LUXUS, den jeder hat … unsinnig.
    …muss also etwas noch Exklusiveres her.

    Streben nach LUXUS, den man sich nie leisten könnte.
    Deprimierend.

    Schere in den Einkommensverhältnissen… ungerecht.

    Fazit: Wenn wir keine Statussymbole hätten, die genau diese Schere symbolisch darstellen sollen, was würde dem menschlichen Verstand helfen, Menschen in Schubladen zu stecken, sprich sie zu klassifizieren? Könnte unser Verstand das überhaupt leisten? Würden dann die Bildungseliten zu Idolen?

    Das gibt schon wieder Gedankenwirrwarr…

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